Mutmaßlicher Rezepturfehler

Hirntotes Kind: Ermittlungen gegen Apothekenmitarbeiter APOTHEKE ADHOC, 20.06.2019 14:02 Uhr

Berlin - Ein Berliner Apothekenmitarbeiter soll durch einen Fehler in der Rezeptur den Hirntot eines dreijährigen Mädchens verursacht haben. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen den Mitarbeiter einer Apotheke im Stadtteil Prenzlauer Berg wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Apotheke weist die Vorwürfe zurück.

Die Apotheke hatte das Mädchen mit einer künstlichen Nährstoffinfusion versorgt, weil es an einer sogenannten kongenitalen Tufting-Enteropathie leidet, bei der es zu schweren Verdauungsstörungen und Diarrhoe kommt. Über einen Katheter am Hals erhielt das Mädchen jede Nacht eine Nährstofflösung.

Der Vater des Mädchens berichtet der Boulevardzeitung B.Z. zufolge, nachdem er in der Nacht des 8. Juni gegen 1 Uhr wie gewöhnlich den Beutel mit der Nährstofflösung angehängt habe, sei es gegen 4 Uhr nachts zu schweren Störungen gekommen. Das Mädchen sei aufgewacht und habe angefangen, sich zu übergeben. „Nach 6 Uhr klagte sie über starke Bauch- und Kopfschmerzen, zitterte. Heftige Krampfanfälle setzten ein“, wird der Vater dort zitiert.

Daraufhin riefen die Eltern die Feuerwehr. Deren Notärzte versuchten vergeblich das Kind zu stabilisieren. „Sie maßen zweimal den Blutzucker mit unterschiedlichen Geräten – beide zeigten ‘Error‘ an“, so der Vater. Das Kind sei bei Ankunft der Notärzte bewusstlos gewesen und habe sich in einem Krampfzustand befunden. Eine Untersuchung des Blutzuckerwertes zeigte den Grund: Er habe bei 2500 mg/dl gelegen. Normal ist ein Wert unter 140 mg/dl. „Keiner der behandelnden Ärzte hat zuvor einen derartig hohen Blutzuckerwert gesehen“, so eine Sprecherin der behandelnden Klinik.

Die Notärzte riefen daraufhin die Polizei, die den angefangenen und zwei weitere Infusionsbeutel beschlagnahmte. Beim Landesamt für Gesundheit und Soziales wurden die Infusionen geprüft. Den Untersuchungen zufolge lag der Glukosegehalt bei über 70 Prozent. 20 Prozent hätten es sein dürfen. Die falsche Zusammensetzung soll auf einen Fehler bei der individuellen Herstellung in der Apotheke zurückgehen, weitere Patienten seien aber nicht in Gefahr. Die nicht näher genannte Apotheke weist die Vorwürfe zurück: „Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind sämtliche Herstellungs- und Sicherheitsvorschriften eingehalten worden“, lässt sie laut B.Z. auf Anfrage über einen Anwalt mitteilen.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Digitalisierung

Österreichische Technik für deutsche ePA»

Pharmakonzerne

USA: Sanofi will OTC-Switch für Tamiflu»

USA

Bewerberportale: Betrüger nutzen Phoenix-Logo»
Politik

Rx-Versandverbot

Kammer Hessen unterstützt Bühler Petition»

DocMorris/Apo-Rot

BasisApotheker: Kartellamt soll Daten offen legen»

Digitalisierung

Becker: Großes Interesse an DAV-App»
Internationales

Amazon

NHS bietet Sprechstunde bei Alexa»

Marektingmethoden

Reckitt: Milliardenstrafe wegen Suboxone»

Nach Wirksamkeitsstudie

Frankreich streicht Homöopathie auf Rezept»
Pharmazie

AMK-Meldung

Ausflockung: Aripiprazol beta muss zurück»

Bakterielle Infektionen

Antibiotikagabe: Zu oft und zu lange»

Asthma und COPD

Hexal bringt Airbufo Forspiro»
Panorama

Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen

Mehr Depressionen durch Facebook und Netflix?»

Feldapotheke statt Offizin

Leitfaden für „Katastrophenpharmazie“»

Apothekeneröffnung

Von der Betriebserlaubnis überrascht»
Apothekenpraxis

Temperaturkontrolle

Keine Klimaanlage: Apotheke muss schließen»

Temperaturfibel

Diese Apothekerin macht Kollegen hitzefest»

Kommentar

Kasse kondoliert mit Retax»
PTA Live

PTA-Ausbildung

Durchgefallen: Erfolg im zweiten Anlauf»

Weinkönigin

PTA-Schülerin und Majestät»

Gesangswettbewerb

Revoice of Pharmacy: Die Jury tagt»
Erkältungs-Tipps

Erkältungen in der warmen Jahreszeit

Mythos Sommergrippe»

Frische Brise

Erkältet durch die Klimaanlage»

Superinfektionen

Tonsillitis: Hochansteckende Halsentzündung»
Magen-Darm & Co.

Magen-Darm-Beschwerden

Appetitlosigkeit: Von harmlos bis gefährlich»

Motilitätsstörungen

Sodbrennen: Wenn sich die Magensäure verirrt»

Unverträglichkeiten

Beratungstipps bei Nahrungsmittelallergien»
Kinderwunsch & Stillzeit

Schwangerschaft

Das erste Trimester: Von der Befruchtung bis zur Organentwicklung»

Frühschwangerschaft

B-Vitamine: Geheimwaffe für Schwangere»

Familienplanung

5 Tipps zum Kinderwunsch»