Wettbewerbsbehörde

Frankreich: Versandhandel soll Apotheken retten Tobias Lau, 23.04.2019 14:38 Uhr

Berlin - Die französische Wettbewerbsbehörde Autorité de la Concurrence spricht sich für grundlegende Reformen und eine weitreichende Liberalisierung des französischen Apothekenmarktes aus. Die Apotheker der Grande Nation leiden unter ähnlichen Problemen wie ihre deutschen Kollegen; aus Sicht der Wettbewerbsbehörde liegt das vor allem an einem zu engen regulatorischen Korsett. Sie empfiehlt deshalb Deregulierung beim Apothekenbesitz, der Arzneimittelwerbung und Apothekenpflicht, eine Reform des Groß- sowie eine Liberalisierung des Versandhandels – eines der Vorbilder ist ausgerechnet Deutschland.

In der Bestandsaufnahme verweist die Autorité auf den Ernst der Lage: „Seit vielen Jahren erleben die Apotheken in Frankreich eine relative Erosion ihrer finanziellen Profitabilität.“ Hinzu kommen „grundlegende und schnelle Veränderungen“ wie die Entwicklung der Telemedizin, der Wille des Gesetzgebers und der Öffentlichkeit, neue Aufgabenbereiche für Apotheken zu definieren oder das Wachstum des Online-Arzneimittelhandels in ganz Europa.

Da dem Apothekensektor eine „besondere Bedeutung für die französische Wirtschaft“ zukomme, sah sich die Behörde bereits Ende 2017 dazu veranlasst, auf eigene Initiative hin eine mehrmonatige Untersuchung einzuleiten, um Reformbedarf und -möglichkeiten auf dem Apothekenmarkt zu eruieren. Die Ergebnisse schmecken den meisten französischen Apothekern jedoch gar nicht, wie die Mehrzahl der Verbände des Landes in einer gemeinsamen Stellungnahme ausführen.

So empfiehlt die Autorité eine Stärkung des Internethandels. Ein Grund für die zurückgehende Profitabilität sei, dass die Apotheken stark von der Abgabe erstattungsfähiger Rx-Präparate abhingen. 72 Prozent des Umsatzes machen diese aus. Versuche des Gesetzgeber, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken, führten jedoch zu fallenden Arzneimittelpreisen. Wachsende Konkurrenz durch Parapharmazien und Drogerien mit ihren geringeren Kosten für Einkauf und Logistik tragen ihren Teil bei. Deshalb solle den Apotheken die Möglichkeit gegeben werden, durch den Online-Versand ein Zubrot zu verdienen.

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