Schweiz

Schwarze Liste: Kasse lässt Aids-Patienten sterben APOTHEKE ADHOC, 02.05.2018 11:13 Uhr

Berlin - Wegen rückständiger Beiträge verweigerte eine Krankenversicherung in der Schweiz einem HIV-Positiven die Erstattung seiner Medikamente. Der 50-Jährige starb an den Folgen von Aids.

Der Patient hatte Beitragsrückstände bei der ÖKK. Als Folge landete er auf einer schwarzen Liste. Bis zur Begleichung der Schulden sind die Versicherungen nur zur Vergütung von Notfällen verpflichtet. Nach Ansicht der ÖKK gehörte die HIV-Therapie nicht dazu. Beide Anträge des Patienten auf Erstattung seiner Medikamente wurden abgelehnt, beim zweiten Mal war er als Folge seiner nicht mehr eingedämmten HIV-Infektion bereits an Aids erkrankt. Der Patient starb Ende letzten Jahres in einem Krankenhaus in Chur.

Ein Sprecher der ÖKK, die sich selbst als „Versicherung mit gesundem Bündnerverstand“ bezeichnet, wollte sich zum konkreten Fall unter Berufung auf den Datenschutz nicht äußern. Er bestätigte aber gegenüber der Sonntagszeitung, dass HIV-Patienten bei ausstehenden Prämienzahlungen keine Erstattung erhalten. Dies sei aber „kein reiner Entscheid“ der ÖKK: „Wir dürfen vom Gesetz her nicht vergüten, wenn jemand auf der schwarzen Liste eines Kantons steht.“ Offen blieb, warum auch der zweite Antrag bei schon fortgeschrittenen Symptomen abgelehnt worden war. „Wir gehen in einem Notfall bei einer Aidserkrankung von einem ethischen Ansatz aus“, so die Kasse. „Dieser lässt sich mit einem palliativen Ansatz vergleichen.“ Was genau damit gemeint ist, wurde nicht näher erläutert.

Eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten kostet rund 2000 Franken im Monat. „Der Tod dieses Menschen hängt auch damit zusammen, dass sein Name auf der schwarzen Liste stand“, glaubt Lisa Janisch, Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Graubünden. Die Aids-Hilfe Schweiz spricht von insgesamt zehn ähnlich gelagerten Fällen in den Kantonen Aargau und Graubünden. Auch hier kämpfen auf dem Index gelandete HIV-Positive um eine Vergütung ihrer Behandlung.

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