Digitale-Versorgung-Gesetz

KBV: Keine App ohne Arzt APOTHEKE ADHOC, 15.10.2019 13:16 Uhr

Berlin - Krankenkassen sollen ihren Versicherten künftig Apps verschreiben dürfen – so will es Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seinem „Digitale-Versorgung-Gesetz“ (DVG). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fühlt sich dadurch übergangen. Einen Tag vor der Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss fordert stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister deshalb, dass die Ärzte stärker in die Versorgung mit digitalen Anwendungen eingebunden werden sollen.

„Maßstab und Kern des ärztlichen Verständnisses einer guten Versorgung ist das Arzt-Patienten-Verhältnis – auch im digitalen Zeitalter“, stellt Hofmeister klar. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf würden nun „Experimentierräume für digitale Anwendungen“ geschaffen – die aber auch für die niedergelassenen Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und für die KBV geöffnet werden müssten. „Denn wir stehen für 175.000 niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die genau wissen, was die Patienten für eine optimale Behandlung brauchen“, so der ausgebildete Fliegerarzt.

Könnten Krankenkassen wie bisher vorgesehen ihren Versicherten digitale Versorgungsangebote – beispielsweise in Form von Apps – machen, ohne die behandelnden Ärzte einzubeziehen, sei das „eine vertane Chance“, da dann nur „diejenigen tätig werden dürfen, die gar nicht in die Behandlung der Patienten eingebunden sind“. Auch die digitalen Angebote müssen demnach in ein therapeutisches Gesamtkonzept eingebunden werden. Die Ärzte sieht Hofmeister dafür ausreichend gewappnet: „Dieses Know-how haben wir und wollen es auch einbringen. Man muss uns nur lassen.“

Dem Gesetzentwurf gegenüber zeigt sich die KBV prinzipiell offen, fordert aber Augenmaß bei der Umsetzung. „Wir unterstützen die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Sie ist aber kein Selbstzweck“, so Hofmeister. So müsse die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Digitalisierung die Versorgung verbessert. Zwingende Voraussetzung für eine sinnvolle und nutzbringende Digitalisierung sei, dass sie die Arbeit und Psychotherapeuten entlastet und unterstützt und nicht zu finanziellen Belastungen für die Praxen führt.

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