Arzneimittelmissbrauch

Tod nach Lyrica-Mix APOTHEKE ADHOC, 13.03.2018 12:18 Uhr

Berlin - Experten schließen auch für Deutschland eine ähnlich verheerende Opioid-Krise wie in den USA nicht aus. In Osnabrück scheint sie bereits angekommen zu sein, wie der Fall des offensichtlich an den Folgen von Schmerzmittelmissbrauch gestorbenen Ex-Junkies F. zeigt.

Sieben Jahre war Jenny R. mit F. zusammen, sie hatten einen gemeinsamen Sohn. Nach vielen Jahren der Drogenabhängigkeit sei er ganz gut mit dem Methadon-Programm zurechtgekommen, erzählte R. der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Dann habe er Lyrica (Pregabalin) und Oxycodon entdeckt. „Er hat das Zeug genommen, um den Kopf auszuschalten“, sagt R. In kürzester Zeit sei er regelrecht aufgequollen. „Er war gar nicht mehr zurechnungsfähig.“

Vor etwa zwei Wochen fand R. ihn tot auf. Dafür könne nur das Schmerzmittel verantwortlich sein. „Lyrica und Methadon zusammen – das geht aufs Herz“, meint sie. „Das ist so, als würdest du dir eine Waffe an den Kopf halten, abdrücken und hoffen, dass keine Kugel drin ist.“ Neun Menschen aus der Drogenszene am Raiffeisenplatz seien innerhalb der letzten zehn Wochen an den Folgen des Schmerzmittelmissbrauchs gestorben, hat sie erfahren. „Mir kommt das gerade wie das reinste Massensterben vor. Sollen denn alle Junkies ausgerottet werden?“ Die Polizei Osnabrück spricht offiziell von drei Drogentoten in diesem Jahr.

Lyrica enthält den Wirkstoff Pregabalin, der seit 2004 EU-weit zugelassen ist, und kommt bei Schmerzen, Epilepsie und Angststörungen zum Einsatz. Oxycodon zählt zu Opioiden und wird unter Namen wie Oxygesic oder Oxycontin bei starken Schmerzen vertrieben. „Insbesondere zur Behandlung tumorbedingter sowie schwerer chronischer Schmerzen sind diese starken Schmerzmittel unverzichtbar“, schrieb das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Anfrage der Zeitung. Allerdings werde in der Packungsbeilage „deutlich und umfangreich darauf hingewiesen, dass eine langfristige Anwendung zu körperlicher Abhängigkeit und dem Auftreten von Entzugserscheinungen führen kann.“

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