Digitalisierung

Tu-Lam Pham: Apotheker müssen Gesundheitsgurus werden APOTHEKE ADHOC, 13.02.2019 09:13 Uhr

Berlin - Dr. Google gecheckt, Arzneimittel herausgesucht und mit einem Klick... beim Online-Versender bestellt? Warum nicht in der Apotheke vor Ort? Wie können Apotheker Kunden und Patienten aus der digitalen Sphäre in ihre physischen Räumlichkeiten lotsen. Dr. Tu-Lam Pham, Experte für digitale Geschäftsmodelle, Online Marketing und Social Media, berät führende Konzerne zu deren Digitalstrategie. Sein Unternehmen Digital IQ ist spezialisiert auf die Weiterbildung von Fach- und Führungskräften rund um die Themen der Digitalisierung, sowie auf Beratungsprojekte in den Bereichen Online Marketing und E-Commerce. Bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC erklärt er, wie Technologie und soziale Medien Gesundheit und Fitness auf der ganzen Welt verändern.

Das Internet hat dank der sozialen Medien bereits seine eigene Klasse kleiner Prominenter entwickelt: Da gibt es Fitness-Gurus, Ernährungsberater, Kosmetikkritiker. „Das komplette Weltbild junger Leute ist heute oft durch soziale Medien geprägt und Trends werden dort ganz stark durch einzelne Figuren geformt“, erklärt Pham. „Branding ist da sehr wichtig. Das kann nicht nur die Apotheke sein, sondern auch der Apotheker oder die Apothekerin selbst.“ Warum wird der lokale Apotheker also nicht zum Gesundheitsguru? Pham rät dazu, dass die Apotheken nicht trotz, sondern gerade wegen der wachsenden Rolle sozialer Medien ihren traditionellen „Markenkern“ betonen – aber auf eine Art und Weise, die der digitalen Zeit angemessen ist.

„Wenn ich als Apotheke eine bessere Produktabgabestelle bin, kann ich nur verlieren“, erklärt der Experte für digitale Geschäftsmodelle. „Denn wenn es nur um Preise und Verfügbarkeit geht, gewinnt das Internet immer.“ Stattdessen müsse der zukunftsfeste Apotheker wissen, wie er seine Zielgruppe erreicht. „Man muss da präsent sein, wo die Patienten sind, und aus der Masse hervorstechen.“ Doch wie kriegt die Präsenzapotheke den Patienten aus dem Internet zu sich vor Ort? „Das ist eine Frage des Algorithmus. Ich muss inhaltlichen Mehrwert schaffen – wenn ich dazu guten Content produziere, kann ich mich auch prominent platzieren.“ Die Akteure im Gesundheitswesen treffe eine Mitschuld, dass sich so viele Patienten an „Dr. Google“ wenden – würden sie besseren Content produzieren, würden die Verbraucher sich ihre Informationen dort holen.

Werden die Apotheken also gar nicht von der Digitalisierung bedroht? „Doch, selbstverständlich, das wird jeder Händler, der sich nicht verändert.“ Aber: „Die Kunden sind gar nicht so böse, wie viele denken“, meint Pham. „Die sagen nicht: ‚Mir ist komplett egal, ob die Apotheke hier vor Ort verblutet, ich bestelle sowieso nur bei DocMorris‘“. Die Apotheken müssten es nur verstehen, ihre Expertise und ihre konkreten Wettbewerbsvorteile auszuspielen. Das heißt jedoch nicht, dass er sich Illusionen macht. „Bei banalen Commodity-Produkten wie Aspirin sieht es für die Apotheken schlecht aus.“ Stattdessen lägen die Potentiale in der Spezialisierung, beispielsweise auf Kinder oder Senioren, spezielle Krankheitsgebiete oder Ernährungsberatung.

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