Primärprävention

Statine werden zu häufig verschrieben APOTHEKE ADHOC, 08.12.2018 17:28 Uhr

Berlin - Statine kommen zu häufig bei der Primärprävention zum Einsatz. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Zürich, deren Ergbenisse im Fachjournal „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht wurden. Milo Puhan, Professor für Epidemiologie und Public Health, weist vor allem auf das Risiko von Nebenwirkungen hin, das von den gängigen Richtlinien vernachlässigt werde.

Statine gehören zu den Hemmern der HMG-CoA-Reduktase, dieses Enzym spielt eine Rolle in der Cholesterinneusynthese. Es unterdrückt die Bildung des Cholesterins, dies wird mit einer verstärkten Aufnahme aus dem Blutplasma kompensiert. Die Arzneimittel sind bei Hypercholesterinämie und zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse indiziert. Eine Empfehlung zur Primärprävention für sonst Gesunde wird ausgesprochen, wenn die Betroffenen bestimmte Risikofaktoren aufweisen. Zum Einsatz kommen beispielsweise Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Fluvastatin und Pravastatin. Die Therapie mit Statinen bewirkt eine deutliche Reduktion an Herzinfarkten und Todesfällen.

Doch die Anwendung von Statinen für die Primärprävention werde seit Jahren in Fachkreisen heftig diskutiert, teilt die Universität Zürich mit. „Letztendlich trägt diese Maßnahme nur in wenigen Fällen dazu bei, Herzinfarkten oder Schlaganfällen vorzubeugen. Bei allen Personen, die Statine einnehmen, besteht jedoch das Risiko, dass Nebenwirkungen auftreten“, warnt Puhan.

Ärzte sprechen anhand einer Berechnung eine Empfehlung aus, wenn für die Patienten das Risiko besteht, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Hirnschlag zu erleiden. Die verschiedenen medizinische Richtlinien haben jedoch unterschiedliche Vorgaben, wann mit der Therapie begonnen werden soll. Die Schweizer Hausärztevereinigung legt den Schwellenwert auf 20 Prozent fest, andere Richtlinien empfehlen, die Behandlung bei einem Risiko von 10 Prozent oder 7,5 Prozent anzusetzen. Entsprechend der Empfehlungen müssten mehr als ein Drittel der 40- bis 75-Jährigen präventiv mit einem Cholesterinsenker behandelt werden. Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie Muskelschmerzen, Grauer Star, Leberschäden oder Diabetes würden bei der Erstellung der Richtlinien nur kaum berücksichtigt. „Die Schwellenwerte wurden von den Experten ohne systematische Untersuchungen so festgelegt“, mahnt Puhan.

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