Jahreszeitenwechsel

Herbst-Blues nach dem Turbo-Sommer? dpa, 23.10.2018 11:48 Uhr

Frankfurt/Main/Offenbach - Dunkle Tage, trübe Stimmung – damit haben im Herbst und im Winter viele Menschen zu kämpfen. Nach dem Traumsommer 2018 ist der Kontrast umso schroffer. Was bedeutet das für die Seele?

Viele Menschen kennen das Stimmungstief, in das sie alle Jahre wieder spätestens im November fallen. Die Tage werden kürzer, die Sonne zeigt sich immer seltener. Einen ersten Vorgeschmack geben Sturm und Regen diese Woche. Graue Wolken, graue Tage, graue Stimmung: Der Winterblues lässt grüßen. Dabei hat die Sonne in diesem Jahr fast überall in Deutschland Überstunden gemacht. Der „Turbo-Sommer“ begann eigentlich schon im Mai nach einem überdurchschnittlich warmen April. Selbst im Oktober wurden noch meteorologische Sommertage mit 25 Grad und mehr erreicht. Die Sonnenscheinstunden lagen Monat für Monat deutlich über den langjährigen Vergleichswerten.

Könnte so ein Sonnen-Plus für mehr Widerstandskraft gegen den Herbst-Blues sorgen? Oder fällt der Kummer angesichts des deutlichen Kontrasts nur noch heftiger aus? Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD), möchte sich da nicht so genau festlegen. „Wenn die Tage kürzer werden, schüttet der Körper mehr Melatonin aus – das sogenannte Schlafhormon“, sagt er. Die hormonelle Umstellung könne auch Stimmungsschwankungen bewirken, jedenfalls bei einigen Menschen. Die Folge seien dann beim Jahreszeitenwechsel die Frühjahrsmüdigkeit beziehungsweise der Winterblues.

„Eigentlich brauchen wir jetzt erst einmal zwei oder drei richtige Kälteeinbrüche, damit der Körper verzeichnet, dass er sich jetzt auf den Winter umstellen soll“, vermutet Matzarakis. Vor Pauschalisierung warnt der Gesundheitsmeteorologe. „Bei depressiven Verstimmungen wie dem Winterblues kommen eigentlich immer mehrere Faktoren zusammen, und man kann nicht exakt sagen, welchen Anteil das Wetter daran hat.“ Zudem sei längst nicht die gesamte Bevölkerung betroffen, betont der Chronobiologe Jörg Stehle von der Goethe-Universität Frankfurt. „Am Winterblues leiden lediglich fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung.“

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