Praxis ohne Grenzen

„Wir brauchen grandios viel Geld“ Silvia Meixner, 03.01.2018 08:03 Uhr

Berlin - Die Wirtschaft boomt – und dennoch gibt es Menschen, die sich keine Krankenversicherung (mehr) leisten können. Der Bad Segeberger Arzt Dr. Uwe Denker hatte vor einigen Jahren die Idee der „Praxis ohne Grenzen“. Eigentlich sollte es nur eine werden, aber die Idee boomt. Bundesweit gibt es derzeit elf Vereins-Praxen. Der erste große Spender waren der Apothekerverein und die Apothekerkammer Schleswig-Holstein.

1000 Euro sicherten im Jahr 2010 den Start für das engagierte Projekt. Dabei wollte der Allgemeinarzt eigentlich in die wohlverdiente Rente gehen. Davon sind nur zwei Stunden am Tag Siesta geblieben. Zwischen 13 und 15 Uhr ist er nicht erreichbar. Das ist Gesetz im Hause Denker. Handy aus, Augen zu. Darüber hinaus kann man ihn und sein Team immer erreichen. Auch nachts. Denn Not und Verzweiflung kennen keine Praxiszeiten.

Ein Müllberg in Bad Segeberg gab den Anstoß, den Verein Praxis ohne Grenzen Segeberg zu gründen. „Ich habe erfahren, dass riesige Mengen an Medikamenten, von denen große Teile noch zu verwenden wären, regelmäßig verbrannt werden. Wir wollten Originalverpackungen verwenden, die zum Beispiel aus Haushaltsauflösungen stammten und noch nicht abgelaufen waren.“

Das ist gesetzlich verboten. „Eines Tages standen wir auf dem Schlauch, wollten helfen, aber hatten keine Medikamente mehr.“ An der Gesetzeslage hat sich seitdem nichts geändert. Aber am Bedarf der Menschen an kostenloser ärztlicher Behandlung. Über 500 Patienten haben Denker und sein Team allein in Bad Segeberg bisher behandelt. Bundesweit sollen rund 1,5 Millionen Menschen ohne ausreichende Krankenversicherung leben, eine statistische Erhebung findet nur alle vier Jahre statt.

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