Stigma der Krankheit

Leben mit dem HI-Virus dpa, 24.11.2017 18:22 Uhr

Freiburg/Dresden - Um 8 Uhr die rote Pille mit etwas Fett einnehmen, zwei Stunden lang nichts essen, um 10.30 Uhr die blaue Tablette schlucken, bald darauf die nächste. So sah das Leben von Patienten mit HIV lange Zeit aus. „Vor 20 Jahren war die medikamentöse Therapie von HIV noch eine hochkomplexe Angelegenheit“, sagt Holger Wicht von der Deutschen AIDS-Hilfe in Berlin. Vieles hat sich seitdem geändert – aber manches ist noch immer so wie damals.

3419 HIV-Neudiagnosen wurden dem Robert Koch-Institut für das Jahr 2016 gemeldet. Insgesamt lebten Ende 2016 in Deutschland einer Schätzung zufolge etwa 88 400 Menschen mit dem Virus. Früher mussten sie täglich zahlreiche Tabletten einnehmen, detaillierte Zeitpläne einhalten und Ernährungsvorschriften befolgen. Die Nebenwirkungen waren erheblich und unangenehm. Durch eine Umverteilung des Körperfetts bildete sich bei manchen Patienten ein Stiernacken, das Gesicht fiel ein, die Beine wurden dürr, erzählt Wicht. „Auch das Risiko für Folgeerkrankungen war sehr hoch.“

Seit 1996 die Kombinationstherapie vorgestellt wurde, hat sich der Alltag von HIV-Patienten radikal gewandelt. „Heute nehmen die meisten eine oder zwei Tabletten am Tag“, so Wicht. Dadurch, dass HIV sehr stark mutiert, wird das Virus gegen eine einzige Behandlung schnell unempfindlich. HIV wird daher in der Regel mit einer Kombination aus drei Wirkstoffen behandelt, die oft in nur einer Pille stecken.

„Human Immunodeficiency Virus“ bedeutet die Abkürzung HIV: menschliches Abwehrschwäche-Virus. Unbehandelt schädigt HIV das Immunsystem so sehr, dass es Krankheitserreger nicht mehr abwehren kann. In diesem Fall spricht man von Aids – „Acquired Immune Deficiency Syndrom“, erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom.

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