Interview Kordula Schulz-Asche

„Bayer hat alles falsch gemacht“ Alexander Müller, 19.09.2018 15:01 Uhr

Berlin - Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich wie keine andere Bundestagsabgeordnete in den Iberogast-Fall eingeschaltet. Dabei ist die Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik ihrer Fraktion eher zufällig auf das Thema gestoßen – bei einem Besuch in der Schweiz. Im Interview mit APOTHEKE ADHOC erklärt Schulz-Asche, warum sie als Grüne ausgerechnet ein Phyto-Präparat angreift und wie sie dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu mehr Mut verhelfen will.

ADHOC: Sie haben Bayer im Iberogast-Fall mehrfach öffentlich attackiert. Warum so scharf?
SCHULZ-ASCHE: Weil ich es unverantwortlich finde, dass sich Bayer so gegen das Stufenplanverfahren gewehrt hat. Das war immerhin eine Auflage des BfArM. Wir reden hier nicht von einem Rückruf oder davon, dass das Präparat vom Markt genommen werden muss. Und das abgestufte Verfahren im Jahr 2008 zeigt doch gerade, dass ein Unterschied gemacht wurde, nämlich nach der Menge des enthaltenen Schöllkrauts. Und in so einer Situation die Patienteninformation zu erweitern mit einem Hinweis, das ist doch wirklich kein großes Ding. Trotzdem ist zehn Jahre lang nichts passiert.

ADHOC: Hätte das BfArM früher hart durchgreifen müssen?
SCHULZ-ASCHE: Das ist schon ein Kernproblem: Solche langen Verfahren stellen die Glaubwürdigkeit von Bundesämtern ab einem bestimmten Punkt infrage: Wenn die nicht in der Lage sind, Anordnungen, die sie erlassen, auch umzusetzen. Deswegen bin ich mit dem BfArM bislang nicht so zufrieden gewesen, gerade weil ich inhaltlich großes Vertrauen in die Arbeit unserer Bundesbehörden habe.

ADHOC: Also hätten Sie sich einfach ein bisschen mehr Mumm gewünscht?
SCHULZ-ASCHE: Das BfArM hat natürlich Angst, dass in einem Gerichtsverfahren die Beweislage nicht ausreicht. Das ist immer das Hauptproblem, warum sie nicht weiter vorgehen. Und bei dem Todesfall jetzt wird es schwer sein, einen direkten Zusammenhang der Wirkung des Schöllkrauts herzustellen – wenn jemand eine Lebertransplantation bekommt und dann stirbt.

ADHOC: Bayer hat laut Ihrer Aussage erst auf den Todesfall gewartet, bis die Anpassung vorgenommen wurde. Braucht es bei dem Thema manchmal Populismus?
SCHULZ-ASCHE: Ich weiß nicht, ob die Patientin an Iberogast gestorben ist. Ich kenne nur die Mitteilung des BfArM und in der steht, dass es im Juli 2018 diesen Todesfall gab und dass in der Folge Sofortvollzug angeordnet werden sollte. Für mich ist der Zusammenhang zu dem Todesfall eindeutig. Und das BfArM sagt das auch so. Dieser Fall ist bekannt geworden nach unserem Gesetzentwurf, unseren vielen kleinen Anfragen und den vielen Gesprächen, die ich mit Bayer-Verantwortlichen geführt habe. Das ist meine Kritik an Bayer: Die hätten spätestens seit Anfang des Jahres sagen können: Ok, wir machen es wie die Schweizer.

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