Regionenspezifisch entspannende und stimulierende Wirkung auf die Magenmuskulatur

Wichtige Symptome des Reizmagensyndroms, wie Schmerzen und Völlegefühl im Magen, sind häufig mit einer verringerten Volumenakkomodation des Magens bei der Nahrungsaufnahme sowie einer verzögerten Magenentleerung assoziiert. Ursachen können Störungen der Magenmotilität sein, wie eine verminderte Relaxation von Fundus und Korpus, die bei der Nahrungsaufnahme als Speicher fungieren, oder eine Hypomotilität des Antrums, das als Pumpe für den Weitertransport der Nahrung verantwortlich ist.

Iberogast® wirkt auf die einzelnen Regionen des Magens in unterschiedlicher Weise. In Korpus und Fundus bewirkt das Präparat eine signifikante, konzentrationsabhängige Tonusabnahme. Im Gegensatz dazu steigert es im Antrum die phasische Aktivität und die Kontraktionsamplitude, und zwar ebenfalls signifikant und konzentrationsabhängig. Dies wurde im Modell des Meerschweinchenmagens belegt und im Humanmodell in vitro bestätigt (Hohenester und Schemann, 2003; Hohenester et al., 2004; Schemann et al., 2006).

Untersuchungen zur Aufklärung der molekularen Mechanismen, die der Wirkung an der Magenmuskulatur zugrunde liegen, weisen darauf hin, dass Iberogast® die Verteilung der Ca2+-Ionen innerhalb der glatten Muskelzellen des Magens beeinflusst. Die regionenspezifische Wirkung ist vor allem durch die unterschiedlichen Wirkprofile der einzelnen im Präparat enthaltenen Extrakte begründet. Beispielsweise hat Angelika Extrakt eine relaxierende Wirkung in Fundus und Korpus. Der Extrakt von Schöllkraut und Iberis amara hingegen hat vor allem im Antrum eine tonisierende Wirkung (Schemann et al., 2006).

Diese in vitro nachgewiesenen Wirkungen wurden in einer placebo-kontrollierten klinisch-pharmakologischen Studie an Probanden bestätigt. Iberogast®, in der therapeutischen Einmaldosierung von 20 Tropfen, führte zu einer signifikanten Erhöhung des proximalen Magenvolumens und des Motilitätsindex der phasischen Motilität des Antrums, wobei die Wirkungen schon zehn Minuten nach Applikation erkennbar waren (Pilichiewicz et al., 2007).

Demnach kann Iberogast® durch seine regionenspezifische Wirkung auf die Muskulatur des Magens sowohl eine gestörte Akkomodation als auch eine verringerte motorische Aktivität bzw. eine verzögerte Entleerung des Magens normalisieren und so an den motilitätsbedingten Symptomen der funktionellen Dyspepsie angreifen.

Regionenspezifisch entspannende und stimulierende Wirkung auf die Darmmuskulatur

Die physiologische Ausgangslage, d. h. der aktuelle Tonus der glatten Muskulatur, entscheidet darüber, ob die tonisierend - prokinetische oder die spasmolytische, entkrampfende Wirkung von Iberogast® in den Vordergrund tritt. Iberogast® erhöhte am unstimulierten Ileum des Meerschweinchens den Basistonus (Ammon, 1986). Am nach Stimulation mit Acetylcholin, Histamin oder Prostaglandin F2 bereits kontrahierten Ileum wirkte Iberogast® hingegen spasmolytisch (Ammon, 1989; Okpanyi et al., 1991, 1993; Heinle et al., 2004; Michael et al., 2006). Diese Wirkung wurde durch Untersuchungen am isolierten Duodenum, Jejunum, Ileum und Colon der Ratte und am Ileum der Maus bestätigt (Okpanyi, 1990c; Hagelauer et al., 2005, 2007, 2008).

Der Frischpflanzenauszug von Iberis amara zeigte einen tonussteigernden Effekt auf die erschlaffte bis leicht kontrahierte Ileum-Muskulatur (Ammon, 1986; Michael, 2006). Am bereits stark kontrahierten Ileum entfaltete der Iberis-amara-Extrakt jedoch keine tonisierende Wirkung mehr (Ammon et al., 2006). Demgegenüber wirken die anderen in Iberogast® enthaltenen Extrakte spasmolytisch (Ammon, 1991). Dies lässt sich als das duale Wirkprinzip von Iberogast® im Darmbereich beschreiben. 

Durch seine Regionen spezifische, vom aktuellen Tonus der Darmmuskulatur abhängige Wirkungsweise kann Iberogast® so auch an den motilitätsbedingten Symptomen des Reizdarmsyndroms angreifen.

Reduzierende Wirkung auf die Schmerzempfindlichkeit

Eine verstärkte gastrointestinale Sensibilität gilt als ein für die Ausprägung der Symptome der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen wesentlicher Pathomechanismus. Sie hat zur Folge, dass der Patient auch solche Reize aus dem oberen Magen-Darm-Trakt als schmerzhaft oder unangenehm wahrnimmt, die beim Gesunden nicht zu einer bewussten Wahrnehmung führen.

Durch Iberogast® wird die Sensibilität für Reize aus dem oberen Magen-Darm-Trakt herabgesetzt, wie neurophysiologische Untersuchungen von Herrn Prof. Kreis und seiner Arbeitsgruppe (Liu et al., 2003, 2004) zeigten. Hierbei wurden von Ratten in Vollnarkose sensible Nervenfasern im Mesenterium des proximalen Dünndarms abgeleitet und die maximale Impulsrate gemessen. Zur Induktion einer Hypersensibilität wurden die Entzündungsmediatoren Serotonin (5-Hydroxytryptamin, 5-HT) und Bradykinin intravenös verabreicht. Des Weiteren erfolgte die mechanische Distension einer Dünndarmschlinge. Die orale Gabe von Iberogast® führte zu einer signifikanten Verminderung der durch die Serotonin- und Bradykinin-Gabe bzw. die Distension provozierten erhöhten Impulsrate. Demnach wurde die Sensibilität sowohl vagaler als auch spinaler Afferenzen gehemmt. Durch Iberogast® war die viszerale Sensibilitätsreaktion gegenüber mechanischen und Schmerzreizen reduziert (Müller 2006). Dieser Wirkmechanismus kann somit beitragen, die gastrointestinale Hypersensibilität zu reduzieren. 

Die Wirkstoffe von Iberogast® sind gut bioverfügbar und können rasch resorbiert werden, wie durch in-vitro-Untersuchungen am isolierten Darm nachgewiesen wurde (Kelber et al., 2001, 2006). Die Resorption setzt ohne Verzögerung ein und ist über einen weiten Konzentrationsbereich linear. Diese günstigen Resorptionseigenschaften sind für den raschen Wirkungseintritt von Iberogast® von großer Bedeutung.

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