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Impfstoffentwicklung

Retinsäure verstärkt Immunantwort

dpa, 01. Juli 2011, 14:07 Uhr

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Berlin -

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben eine neue Strategie entwickelt, um die mukosale Immunantwort zu verstärken. Die Wissenschaftler wiesen in Versuchsreihen mit Mäusen nach, dass durch die Zugabe von Retinsäure Impfstoffe etwa gegen Cholera oder Salmonellen deutlich verbessert werden können. Retinsäure dirigiert die Immunzellen in die Darmschleimhaut. Die Zellen produzieren hier Antikörper, um Erreger unschädlich zu machen.

„Diese innovative Impfstrategie ist nicht nur im Hinblick auf EHEC, sondern auch insbesondere für Durchfallerkrankungen bei Kindern in Entwicklungsländern von hoher Bedeutung“, sagte Professor Dr. Reinhold Förster vom Institut für Immunologie der MHH. Ihre Arbeit veröffentlichte die Forschergruppe im „Journal of Clinical Investigation“.

Die Schwierigkeit bei den bestehenden Impfungen liegt Förster zufolge darin, die schützenden Immunzellen in den Darm zu bekommen. „Viele Impfstoffe funktionieren in den Entwicklungsländern nicht gut. Das liegt an der Mangelernährung, besonders am Vitamin-A-Mangel.“

Aus Vitamin A entsteht Retinsäure, die dafür sorgt, dass die Immunzellen tatsächlich in den Darm einwandern und dort Bakterien und Viren bekämpfen können. Die besondere Rolle der Retinsäure bei der Immunisierung ist erst seit wenigen Jahren bekannt. Aus diesem Grund hat man nicht schon früher versucht, ihre Wirkung für Impfungen nutzbar zu machen.

Die Forscher aus Hannover spritzten zwei Gruppen von Mäusen Impfstoffe gegen Salmonellen und Cholera ohne Retinsäure, zwei weiteren Gruppen Impfstoffe mit Retinsäure. Anschließend fütterten sie die Tiere mit Salmonellen und Cholera-Toxin. „Die Gruppen, die Impfstoffe mit Retinsäure erhielten, waren in beiden Fällen deutlich besser geschützt“, berichtete Förster. Aus seiner Sicht hat die neue Impfstrategie großes Potenzial: „Man hat jetzt die Möglichkeit, gegen alle Durchfallerreger effektiver zu immunisieren.“

Nach den Untersuchungen am Mausmodell planen die Forscher, in den Nutztierbereich zu gehen. So gebe es EHEC-Impfungen für Rinder, wobei allerdings bisher nicht verhindert werden könne, dass die Tiere den Erreger weiterhin ausscheiden, sagte Förster. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftler bei Impfungen gegen Rotaviren in Entwicklungsländern Retinsäure hinzugeben.

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