Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
APOTHEKE ADHOC, 22. September 2010, 18:46 Uhr
Die private Krankenversicherung (PKV) stand jahrelang weitgehend außerhalb der gesundheitspolitischen Einflusssphäre. Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) überträgt den Versicherern nun weitreichende Einsparinstrumente aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). APOTHEKE ADHOC sprach mit PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach über die neuen Möglichkeiten, den Anspruch auf Vertragskompetenz und potenzielle Verhandlungsfelder mit Apotheken.
ADHOC: Wie ähnlich sollen sich PKV und GKV werden?
LEIENBACH: Die private Krankenversicherung lebt vom Unterschied. Auch innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung gibt es Wettbewerb, auch dort lebt man vom Unterschied. Es gibt immer Segemente, wo man sich vielleicht einander annähert, und es gibt andere, wo man sich stärker voneinander entfernt. Das ist in einer Wettbewerbslandschaft so. Es darf natürlich nicht zu einer gesetzgeberischen Gleichschaltung kommen, dann wäre der Wettbewerb tot. Dann wäre all das nicht mehr möglich, was eine bürgerliche Regierung unter einem freiheitlichen Gesundheitssystem versteht.
ADHOC: Was will die PKV von der GKV adaptieren?
LEIENBACH: Es geht nicht um Adaption. Es geht darum, dass die private Krankenversicherung Instrumente bekommt, die sie handlungsfähig machen. Es geht darum, dass die PKV beispielsweise das selbstverständliche Instrument der Vertragskompetenz bekommt, was jedes Individuum, jede Institution in einer freiheitlichen Gesellschaft hat. Die GKV hat das, wir haben das nicht.
ADHOC: Was bedeutet das für die Beiträge?
LEIENBACH: Es ist völlig klar, dass das Einfluss auf die Kosten hat. Wir haben sehr starke Ausgabensteigerungen im Bereich der Arzneimittel. Es ist klar, dass sich dieser Kostenanstieg verlangsamt, wenn wir diese Instrumente bekommen, dass es gegebenenfalls sogar - je nachdem, wie der politische Prozess ausgeht - zu Kostensenkungen kommen kann. Selbstverständlich werden diese an die Versicherten weitergegeben, wobei man wissen muss, dass die Kostenexpansion und die Beitragsentwicklung nicht nur vom Arzneimittelmarkt abhängen.
ADHOC: Kommt der Herstellerrabatt für die PKV?
LEIENBACH: Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung nicht einseitig Rabatte verordnen kann für 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Es darf nicht sein, dass die Verluste, die der Pharmaindustrie dort entstehen, strukturell kompensiert werden von 10 Prozent der Bevölkerung, nämlich den privat Krankenversicherten, unter denen viele sind mit kleinen, mit mittleren Einkommen. Insofern brauchen wir eine wirkungsgleiche Übertragung der Rabatte.