Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
APOTHEKE ADHOC, 08. Oktober 2010, 12:00 Uhr
Zwischen Großhandel und Apotheken ist es im Gesetzgebungsverfahren zum Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) zu Spannungen gekommen. Weil die schwarz-gelbe Koalition die vom Großhandelsverband Phagro geforderte Umstellung des Honorars zum Anlass für Margenkürzungen nehmen will, fürchten die Apotheken dramatische Einbußen. APOTHEKE ADHOC sprach mit Phagro-Chef Dr. Thomas Trümper über die Verantwortung der Großhändler, einen möglichen gemeinsamen Weg und die Kampagne der Apotheken.
ADHOC: Ist der Großhandel Schuld an den Sparplänen für Apotheken?
TRÜMPER: Der Großhandel ist auf keinen Fall Schuld. Die Koalitionsspitzen haben zu Beginn der Legislaturperiode vereinbart, dass man 1,2 Milliarden Euro insgesamt im Gesundheitswesen sparen will. Dann haben sie das heruntergebrochen auf die einzelnen Bereiche und gesagt, bei Apotheken und Großhandel gemeinsam sollen 400 Millionen Euro eingespart werden. Das war gesetzt, da hat der Großhandel überhaupt keine Aktien drin. Das kommt aus der Politik, und wir versuchen nun mit den Apothekern gemeinsam das Beste daraus zu machen.
ADHOC: War Ihr Vorschlag ausschlaggebend?
TRÜMPER: Nein. Das Eine hat mit dem Anderen überhaupt nichts zu tun. Die Großhandelsspanne besteht seit etwa 30 Jahren, und wir alle wissen, dass sich der Markt seitdem ganz extrem geändert hat. Es gibt viel mehr preiswerte Arzneimittel. Wir haben den Direktvertrieb und vieles mehr. Darauf muss man einfach reagieren, weil die Spanne eine Mischkalkulation ist. Der Sparwille der Regierung hat damit nichts zu tun. Die Politik hat auch die Spanne - und zwar die alte Spanne - mit dem GMG im Jahr 2004 schon einmal um 50 Prozent gekürzt. Man sieht, dass die Politik kürzen kann auch ohne eine neue Struktur.
ADHOC: Funktioniert Großhandel ohne Funktionsrabatte?
TRÜMPER: Eigentlich kann er nicht funktionieren. Es liegt im Wesen des Handels, dass man durch Leistung, durch Qualität, aber auch durch Preisvorteile dem Kunden Vorteile bietet, so dass er deshalb bei dem Einen oder dem Anderen kauft. Rabatte sind ein wesentlicher Bestandteil des Handels, wir brauchen sie.
apotheke adhoc Debatte 1 Kommentar
Mitdiskutieren170 Mio Ertrag im gesamten deutschen Großhandel?
Kann mir jemand sagen, wie valide diese Zahlen sind, die er da in den Raum stellt?