Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Alexander Müller, 06. Dezember 2011, 16:00 Uhr
Im heute verabschiedeten Leitantrag zur Gesundheitspolitik des Parteivorstandes heißt es wörtlich: „Den Arzneimittelvertrieb werden wir liberalisieren, um Preisvorteile von größeren Vertriebsstrukturen zu erreichen. Die Einsparungen kommen vor allem den Versicherten zu Gute und werden nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt, wie es sich Schwarz-Gelb zum Prinzip gemacht hat.“
Wer diese Forderung in den Leitantrag geschrieben hat, war in der Parteizentrale nicht mehr zu eruieren. Die Gesundheitsexpertin der Fraktion, Marlies Volkmer, hatte jedoch betont, es handele sich weder um die Position der Fraktion noch der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG). Ähnlich hatte es Dr. Carola Reimann vor einem Jahr formuliert: Apothekenketten seien nicht Konsens in der Fraktion, sondern eine Einzelmeinung von Professor Dr. Karl Lauterbach, so Reimann im Interview mit APOTHEKE ADHOC. Lauterbach hatte sich Ende 2008 kurz nach den Schlussanträgen von Generalanwalt Yves Bot für Apothekenketten ausgesprochen. Den Passus im Leitantrag hatte er nach eigenem Bekunden aber nicht formuliert.
Sachsens Sozialdemokraten – Volkmer ist dort Beisitzerin im Landesvorstand und Vorsitzende der ASG – wollten den Passus zur Liberalisierung gerne streichen. Im Antrag heißt es: „Unser Ziel ist eine qualitativ hochwertige, sichere und preiswerte Arzneimittelversorgung für alle Versicherten. Erzielte Einsparungen sollen vor allem den Versicherten zu Gute kommen und nicht zwischen den verschiedenen Leistungserbringern umverteilt werden.“
Die Begründung ist ein klares Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke. Nicht alleine der Preis eines Medikaments sei entscheidend, sondern auch die Qualität der Arzneimittelversorgung, schreiben die Sachsen. Und weiter: „Dies beinhaltet auch die Sicherstellung einer wohnortnahen verlässlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten, wie sie durch die öffentlichen Apotheken erbracht wird.“
Doch der Landesverband hat den Änderungsantrag nicht fristgerecht eingebracht. Damit steht die ominöse Kettenforderung jetzt im Grundsatzprogramm der Sozialdemokraten.
apotheke adhoc Debatte 18 Kommentare
Mitdiskutieren#18 SOZIALdemokratische Partei für Apothekenketten ?
Es ist mir wirklich ein Rätsel warum gerade die SPD, die SOZIALdemokratische Partei Deutschlands für eine Einführung von Apothekenketten ist und damit gegen inhabergeführte Apotheken. Der Apotheker trägt in der Gesellschaft eine sehr große soziale und menschliche Verantwortung. Apothekeketten heißt = kein freies handeln, da Profit höchste Priorität, weniger Menschlichkeit, weniger soziales Miteinander.... ---> Lösung: mehr Apotheker in die Politik.
#17 Leitantrag durchgewunken
Das Problem ist, jetzt kann sogar die CDU/FDP machen was sie will!!!! Denn wenn wir deren Kröten nicht schlucken, können Bahr und Spahn uns ja immer noch mit den Ketten drohen die ja die SPD will und nur sie nicht. Dieser Leitantrag der SPD ob gewollt oder nicht, hat uns politisch gegenüber der CDU/FDP fast ganz kaltgestellt.........
Aber schon lächerlich wenn es einen Leitantrag auf einem Bundesparteitag gibt, wo nicht draufsteht aus welcher Landesgruppe oder von welchem Arbeitskreis der entworfen wurde...und das wird von Delegierten durchgewinkt, die sicher noch nie etwas von Rabattverträgen oder dem Rabattverbot, AMNOG, gehört haben.... verdammte Bananenrepublik
Kann mir jemand erklären wo die Einsparungen durch größere Strukturen herkommen sollen.....Rabattverbot, und die Preisvereinbarungen zwischen Industrie und KrankenKassen ( Rabattverträge) stehen dem ja im Wege, zumindestens im RX Bereich......naja eventuell Dumpinglöhne ( wie beim Rossman) durch Vernichtung der Gewerkschaft ( wie beim KIK oder Aldi.....).
#16 @ Hecht
warum ich mich so aufrege ? Weil Celesio einen absolut unglaubwürdigen Zick-Zack-Kurs fährt. Oesterle Träume ? Bitte keine klassisch deutsche Einzeltäter-Theorie. Was mich an Gehe ankotzt ist dieses hin und her. Bei Phönix weiß man woran man ist (wenn amn das will), die verkaufen alles an alle überall. Die nehmen Ketten gerne mit wo es paßt und sind immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Das ist kein Vorwurf an Phönix, das ist klassische "Großkonzernstrategie" . Aber Phönix arbeitet nach meinen Kenntnisstand nicht aktiv an einem Systemwechsel (oder halt nicht so offen). Die Anzag schätze ich ähnlich ein. Aber Gehe Kämpft offiziell erst für uns, dann aktiv gegen uns, jetzt wieder offiziell für uns ?
(Info: Ich bin weder Phönix noch Gehe Kunde. Eher ein Ex-)
Ein TIP ist schwierig (jedenfalls bei den Konditionen). Rein von der Rechnungsehrlichkeit kann ich nur KEHR empfehlen (ich nehme an bei den anderen Privaten ist es ähnlich). Die Genossenschaften werden wohl weiter das Geld ihrer Mitglieder im Kampf gegeneinander verbrennen. Und die "Großkonzerne" werden es mal wieder mit "gibt nur noch Skonto" probieren.
#15 @Herr Weigand
Nochmal, ich habe keine Geschäftsbeziehung mit Gehe und somit auch keinen Grund Gehe zu verteidigen. Ich sehe nur (wohlwollend) daß sich ihre Ausrichtung seit Österles Abschied ändert. Und da ich von meinen beiden liefernden GH für 2012 auch nichts glücklich-Machendes zu erwarten habe, erlaube ich mir einen Blick auf diese Veränderung.
Aktivitäten im Ausland als Indiz heranzuziehen war vielleicht vor 15 Jahren hilfreich, aber inzwischen haben doch nahezu alle GH ihre Aktivitäten im Ausland verstärkt und aufgezogen. (Private GH kann ich aufgrund meiner geographischen Lage kaum berücksichtigen). Sicher nicht alle mit dem Aufkauf von Apotheken wie Gehe oder Phönix, aber mit Beteiligungen an anderen GH, die keine Nibelungentreue auf uns "Einzelapotheker" schwören werden. Auch Sanacorp oder Noweda müssen etwas in der Schublade vorhalten, von der sie froh sind, wenn sie sie nicht öffnen müssen. Ich erinnere nur an die Sonderangebotsflyer von MEA mit den OTC Blockbustern. Dazu kam der Standardsatz "...manche wollen es, dann müssen wir es eben auch anbieten...
Darüberhinaus sind mit Aktivitäten im Ausland nicht zuletzt auch die Konditionen für uns in Deutschland "unterfüttert" worden. Verdient hat Phönix beispielsweise offensichtlich nur im (kettenmöglichen) Ausland. Klar muß man das nicht durch eine Geschäftsbeziehung unterstützen, aber haben wir eine ethisch saubere, wenigstens konditionsähnliche und lieferfrequenzgleiche Alternative?
#14 Also Herr Hecht...
...wenn Gehe/celesio jetzt die Richtung ändert, dann ist das doch dem Geschäftsbereich Großhandel geschuldet, da man politisch vorerst gescheitert ist.
Dass Celesio weiterhin Ketten als Celesio-eigenes Geschäftsmodell sehen, ergründet sich durch einen Blick ins Ausland.
Auch wenn ich nicht glaube, dass die SPD hier groß mitliest, so stelle ich zuerst einmal fest, dass es kaum sein kann, dass sowas i einen Antrag kommt und keiner weiß, wer das so formuliert hat. Das kann man auf jeden Fall in Erfahrung bringen.
Falls dies wider Erwarten doch nicht gelingt, so sollte doch auch in der SPD/ASG klar sein, wer der geistige Urheber des ganzen ist. Da der Leitantrag aber angeblich am ASG vorbei gestellt wurde und angeblich Lauterbach hier eine Einzelmeinung vertritt sollte wohl jedem klar sein, wer da dann intern die Konsequenzen zu ziehen hat. Eine öffentliche Leuterung von Seiten Herrn Lauterbachs ist eigentlich schon zu wenig...
#13 ABDA und SPD
Ich muss Hr. Staesche (#11) da voll zustimmen. Die ABDA soll mal ihre Resourcen vernünftig bündeln. Und zwar in ordentliche MASSEN-Medien-Kampagnen. Da muss mal jemand her der AHNUNG mit PR hat! Da hat ja die Rundschau mehr drauf.
Und das die SPD hier irgendwelche Fristen verpasst, da lach ich doch. Das ist gewollt und nichts anderes. Oder ist die SPD etwa so ein Chaotenhaufen, dass eine "Einzelmeinung" in politischen Programmen Einzug findet?
#12 @Mauzini
Ich weiß nicht, warum Sie sich so aufregen. Im Moment gibt es keinen GH, der uns 2012 glücklich machen wird. Oder haben Sie mir einen Tipp?
Nur zur Info: Ich bin und war kein Gehe Kunde.
Aber es ist doch unübersehbar, daß Gehe personell und inhaltlich sich den Geist Österles entledigen will. Nicht zuletzt deshalb, weil sie keinen Erfolg damit gehabt haben weil viel zu wenig Apotheken auf den DocMorris Zug aufgesprungen sind. Ich glaube, daß Gehe bald einen Käufer für das grüne Kreuz präsentieren wird.
#11 Na klar!
Logisch, denn Lauterbach sitzt bei Rhön-Klinikum, und natürlich spekulieren nicht nur Großhandlungen und Drogerien auf ein Stück vom Kuchen, sondern auch Klinik- und MVZ-Betreiber. Und die zahlen alle mehr Beste...Spenden an Politiker und Parteien, als das die Apotheker je könnten.
DAS ist Gelderumverteilung à la SPD.
Es würde Zeit für eine Medienkampagne der ABDA, nicht als Sponsor irgend welcher Sportveranstaltungen, nicht als Nachtwächter hinter der Klappe, nicht als QMS-beflissene Superberater, sondern massiv und dramatisierend gegen die Ketten, unter Aufzeigen der Verflechtungen in die Politik und aller gravierenden Nachteile des Kettenwesens (es gibt ja genug schlechte Beispiele). Und das muß ständige Medienpräsenz haben.
Man muß ja noch von etwas träumen können...
#10 Celesio will jetzt einzelne Apotheker unterstützen ????????
Was interressiert Celesio ein einzelner Apotheker. Ist Doc Morris noch da, ja. Gibt es noch beschissene Pick-up-Modelle bei Celesio, ja. Was bitte hat sich geändert ? Der Manager will seine Kunden nicht mehr beleidigen und bekriegen ? Wenn man damit schon zufrieden ist ! Aber wenn morgen einer Ketten erlaubt, dann sagt Celesio : Nein, Nein, Nein das wollen wir jetzt nicht mehr ? Die vertrösten alle dort noch kaufenden (warum auch immer ?) Kollegen bis zur nä. Wahl und dann geht das mit dem Kettenlobbyismus wieder ab ! Oder nicht ? Was erzählt den der DocMorris-Betreiber auf dem SPD-Parteitag ? Warum sind die denn da ? Hat es bei den CDU/CSU/FDP-Leuten nicht ausreichend geklappt ? Hatte man nur auf Bender gesetzt ? Nur Lauterbach kennt schmutzige Tricks, aber Celesio natürlich nicht.
#9 Vorsicht....
....noch ist ja nicht Bundestagswahl.
Jetzt ist genau der DAV bzw die ABDA gefordert. Dem Herrn Lauterbach traue cih vieles zu, auch gewisse Taschenspielertricks.
Aber: Wenn das eine Einzelmeinung ist und das versehentlich reingerutscht ist, dann frage ich mich, warum der ASG eben nicht über Anträge informiert ist.
Deswegen sollte man die SPD nicht grundsätzlich schon verdammen, wie es einige hier tun. Noch ist Zeit. Wer jetzt die moralische Tür zuschlägt, verliert am Ende eh.
Deswegen heißt es jetzt an die SPD: Wer glaubhaft das nicht will, der muß sowas auch ändern können....
Michael