Proteste an Kliniken

Mit Pappkameraden gegen Apotheker Eugenie Ankowitsch, 10.08.2017 14:01 Uhr

Berlin - Die Krankenhäuser in Niedersachsen haben in Hannover gegen die verpflichtende Einstellung von Stationsapothekern protestiert. Vor wenigen Monaten hat Niedersachsen ein neues Krankenhausgesetz auf den Weg gebracht, das eine solche Regelung vorsieht. Die Apotheker sollen in allen Kliniken des Landes unter anderem den Medikamentenverbrauch kontrollieren und damit die Patientensicherheit erhöhen. Auslöser für die Gesetzesnovelle war die Mordserie des Ex-Pflegers Niels H.

Mit einer überdimensionierten symbolischen Stellenanzeige und 180 lebensgroßen „Pappfiguren in Form von Stationsapothekern“ wollen sich niedersächsische Krankenhäuser gegen die geplante Änderung des Niedersächsischen Krankenhausgesetzes (NKHG) wehren. Die vorgesehene Verpflichtung, Stationsapotheker einzustellen, sei nicht realisierbar, argumentiert die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG). Die Protestaktion sollte „diese Unmöglichkeit“ plastisch vor Augen führen.

„Die Krankenhäuser werden in spätestens drei Jahren gegen dieses Gesetz verstoßen müssen“, ist sich Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG), sicher. Die verbindliche flächendeckende Einführung von Stationsapothekern sei selbst in der geplanten Übergangszeit objektiv nicht umsetzbar. Denn auf dem Arbeitsmarkt seien diese Stationsapotheker gar nicht verfügbar. Derzeit beschäftigen nach Angaben der NKG nur drei von 178 Kliniken in Niedersachsen einen Stationsapotheker. 17 Krankenhäuser haben eine eigene Apotheke. Die anderen werden zentral mit Medikamenten beliefert.

Der Einsatz von Stationsapothekern kann zwar auch aus Sicht der Krankenhäuser die Arzneimitteltherapie-Sicherheit erhöhen und ist ein Instrument zur strukturellen Verbesserung der medizinischen Versorgung. Die mit dem NKHG in den Vordergrund gestellte Erhöhung der Patientensicherheit werde durch dieses Instrument hingegen nicht erreicht, so die NKG. „Die Überwachung des Medikamentenverbraucsh gehört keinesfalls zu den Aufgaben des Stationsapothekers“, betonte Engelke gegenüber APOTHEKE ADHOC. Man schicke einen hochqualifizierten Pharmazeuten doch nicht zum „Pillenzählen“.

APOTHEKE ADHOC Debatte