Montgomery: Klinik in der Pflicht dpa, 28.07.2012 18:44 Uhr
Berlin - Im Göttinger Transplantationsskandal sieht der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Frank Ulrich Montgomery, die Kliniken in der Pflicht. „Es muss geklärt werden, ob bei der Auswahl von Führungspersonal für die Transplantationsmedizin wirklich gewissenhaft gearbeitet wird. Da stehen die Klinikträger in besonderer Verantwortung.“ Es müsse gefragt werden, ob die Selbstkontrolle in den Kliniken ausreichend funktioniere, so Montgomery gegenüber der Passauer Neuen Presse.
Gegen zwei Ärzte der Göttinger Uniklinik wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und wegen möglicher Bestechung ermittelt. Sie stehen unter Verdacht, Patientendaten manipuliert zu haben, um ihre Patienten unberechtigterweise auf der Warteliste für Spenderorgane nach oben zu schieben. Einer der Mediziner soll auch an seiner vorherigen Arbeitsstätte an der Uniklinik Regensburg schon 2005 für Missstände bei Transplantationen gesorgt haben. „Dass in Göttingen von den Regensburger Vorfällen überhaupt nichts bekanntgewesen sein soll, ist schon ein starkes Stück“, sagte Montgomery.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig haben sich die Anwälte der beiden Mediziner zu den Vorwürfen bislang nicht bei den Ermittlungsbehörden geäußert. „Bislang hatten beide Verteidiger auch noch keine Akteneinsicht“, sagte die zuständige Staatsanwältin in Hannover. Dagegen hatte einer der Anwälte dem Nachrichtenmagazin „Focus“ gesagt: „Mein Mandant bestreitet, jemals von Patienten Geld genommen zu haben.“
Der Transplantationsskandal beschäftigt nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung auch die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). An der Klinik seien inzwischen intern Akten überprüft worden, weil einer der beschuldigten Ärzte zwischen 1999 und 2001 dort als Assistenzarzt gearbeitet haben soll, zitiert die Zeitung den Vizepräsident der MHH, Dr. Andreas Tecklenburg. Da der Arzt keinerlei Entscheidungsbefugnisse gehabt habe, seien Manipulationen aber „extrem unwahrscheinlich“.
Die Göttinger Uniklinik teilte am Samstag zudem mit, dass sich infolge des Transplantationsskandals ein ehemaliger Mitarbeiter gemeldet und von „Auffälligkeiten in früheren Jahren“ berichtet habe. Der Hinweis werde ernst genommen und sei an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden.
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