Erstattungspreise

Kassen eröffnen Verhandlungen APOTHEKE ADHOC/dpa, 23.01.2012 12:24 Uhr

Berlin - Zum ersten Mal überhaupt wird heute in Berlin über den Preis eines Arzneimittels verhandelt: Der GKV-Spitzenverband und der Pharmakonzern AstraZeneca feilschen um den Erstattungspreis des Thrombozytenaggregationshemmers Brilique (Ticagrelor). Gibt es kein Ergebnis, muss eine Schiedsstelle über den Preis entscheiden.

Mitte Dezember hatte der G-BA festgestellt, dass Brilique einen „beträchtlichen Zusatznutzen“ für Patienten mit instabiler Angina pectoris sowie für Patienten mit Myokardinfarkt ohne eine sogenannte ST-Strecken-Hebung hat. Rund 80 Prozent der Patienten mit akutem Koronarsyndrom, also unter anderem mit einem Herzinfarkt, könnten daher von einer Behandlung mit Brilique profitieren. Für bestimmte Patientengruppen fiel das Urteil des G-BA allerdings negativ aus.

Laut der von Herstellern und Kassen gemeinsam erarbeiteten Rahmenvereinbarung treffen sich die Verhandlungsführer vier Mal beim GKV-Spitzenverband in Berlin. Die Sitzungen soll nicht länger als vier Stunden andauern. An den Verhandlungen nehmen jeweils fünf Personen beider Seiten teil. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV), für dessen Mitglieder die ausgehandelten Preise auch gelten, darf mit einem Vertreter als „Gast“ vertreten sein.

Durch die neue Möglichkeit, Preise für neue Medikamente mit Zusatznutzen direkt mit dem Hersteller aushandeln zu können, versprechen sich die Kassen in erster Linie Einsparungen: „Bislang werden viele Medikamente auf den Markt gebracht, in denen nur Moleküle variiert sind, ohne für den Patienten nützlich zu sein“, sagt der Vizechef des Kassenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg.

Die Verhandlungen sollten sich nach zwei Kriterien richten: „Wie viel kostet das offizielle Vergleichsmedikament, das es bereits gibt? Und um wie viel größer ist der Zusatznutzen des neuen Produkts?“ Nach den Verhandlungen zu Brilique geht es Schlag au Schlag: Für 21 Mittel stehen bereits 84 Verhandlungstermine fest.

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