Freie Apothekerschaft

Rx-Flyer gegen DocMorris-Briefe APOTHEKE ADHOC, 20.03.2017 14:15 Uhr

Berlin - Mit einer Flyer- und Plakat-Aktion will die Freie Apothekerschaft den 130.000 DocMorris-Briefen an Politiker von CDU und CSU Paroli bieten. Es bedürfe der Aufklärung der Wähler über die Standpunkte der unterschiedlichen Parteien vor den Landtagswahlen und der Bundestagswahl, heißt es. Deshalb startet die Freie Apothekerschaft vor den Wahlen im Saarland (26. März), in Schleswig-Holstein (7. Mai), in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) und vor der Bundestagswahl (24. September) eine Flyer- und Plakatkampagne, die jede Apotheke nutzen kann.

„Wenn eine ausländische Versandapotheke den CDU- und CSU-Abgeordneten über ihre Kunden Postkarten zukommen lässt mit dem Inhalt, das geplante Gesetz zum Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln nicht weiter zu forcieren, dann mag das ein Marketing-Gag sein, um in irgendeiner Form in die Tageszeitungen zu kommen. Dass sich Abgeordnete davon beeinflussen lassen, kann sich wohl kaum jemand vorstellen“, hofft Dr. Helma Gröschel, Vorsitzende der Freien Apothekerschaft. „Wir gehen lieber einen anderen Weg.“

„Aufklärung in der Bevölkerung über die Standpunkte der Parteien zu diesem äußerst wichtigen Thema ist dringend nötig“, erklärt Gröschel. „Es geht um den Erhalt der Apotheken vor Ort, um 150.000 Arbeitsplätze, von denen in erster Linie Frauen profitieren, um eine weiterhin flächendeckende Versorgung und um eine Gewährleistung des Notdienstes.“ Hier stünden Gewinnmaximierung auf der Seite der ausländischen Versandapotheken, die von Konzernen mit Sitz in der Schweiz und Saudi-Arabien finanziert würden, gegenüber inhabergeführten, persönlich haftenden und streng regulierten deutschen Apotheken. Diese seien gesetzlich dem Gemeinwohl verpflichtet mit Notdiensten, dem Einsatz von studiertem Fachpersonal in der Beratung der Patienten, einem gesetzlich vorgeschriebenen Vorrätighalten von teuren Notfalldepots und Pandemie-Produkten.

„Wenn die SPD, die FDP und die Grünen die augenblickliche Konstellation als ‚Wettbewerb‘ bezeichnen, dann haben diese Parteien seit dem 19. Oktober 2016 ihre Hausaufgaben nicht gemacht“, kritisiert Gröschel. „Man muss davon ausgehen, dass vielen Parlamentariern dieser Parteien die Tragweite des Urteils des Europäischen Gerichtshofs nicht klar ist.“ Das Gesetz beziehe sich nicht nur auf deutsche Apotheken, sondern könnte auch für viele andere Leistungserbringer des deutschen Gesundheitswesens den finanziellen Ruin bedeuten, die Ärzteschaft eingeschlossen. „Letztendlich geht es um die Zerschlagung eines funktionierenden Systems“, konstatiert Gröschel und fordert: „Die Politik muss sofort handeln!“

APOTHEKE ADHOC Debatte