Der Wahn des Großkunden Alexander Müller, 19.05.2012 10:56 Uhr
Berlin - Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu ist, dass die Kassen eine Erhöhung des Apothekenhonorars nicht kategorisch ablehnen. Trotzdem ist das Ansinnen der Kassen eine Unverschämtheit gegenüber den Apotheken.
Mit dem AMONG wurden die Apotheken überproportional belastet, das hat mittlerweile auch die Regierung eingesehen. Über eine Korrektur wird ernsthaft nachgedacht. Da ist es verständlich, dass sich die Kassen möglichst schadlos halten wollen. Aus ihrer Sicht wäre eine Honorarerhöhung besser als eine Absenkung des Abschlags – da erstere auch von der PKV mitgetragen würde.
Doch anscheinend hält der GKV-Spitzenverband eine Entlastung der Apotheken noch immer für unangemessen. Ziel der Kassen dürfte es sein, das Honorarplus mit einem erhöhten Abschlag komplett zu kompensieren. Entweder gehen dann die Apotheken unter dem Strich leer aus, oder die Mehrausgaben werden zur Gänze auf die Privaten abgewälzt. Der Scheinkompromiss der Kassen hätte bei der zweiten Variante noch den positiven Nebeneffekt, die ungeliebte PKV-Konkurrenz endgültig abzuschütteln. Dass die Kassen bei einer bürgerlichen Regierung damit durchkommen, ist unwahrscheinlich.
Und die Apotheken? Für sie ist der Vorschlag eines fixen Abschlags im Grundsatz in Ordnung, solange das Honorar eine Dynamisierung erfahren würde. Vor allem könnten sie sich dann die leidigen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband über den „Großkundenrabatt“ ersparen. Schließlich pfeifen die Kassen auf unabhängige Schiedssprüche und ziehen mit ihren 2,30 Euro sogar bis vor das Bundessozialgericht.
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#4Kassenabschlag 2,30 ist obsolet, max. 0,25€ wäre realistisch!
Der Kassenabschlag von 2,30€ auf 8,10€ wäre ca. 28% Rabatt (!). Wenn Apotheken einen Rabatt in dieser Höhe auf Rx bekommen könnten, ließe sich darüber reden, sonst geht das leider wirklich nicht. Ich fürchte nur die Preisspannenverordnung gibt das zur Zeit einfach nicht her. Vergleichbar mit dem max. verhandelbaren Apothekenrabatt (3,05%) dürfte der max. verhandelbare Kassenabschlag dann bei aufgrundet 0,25 € liegen (=3,05% von 8,10€). Wohlgemerkt der max. verhandelbare (!), also wirklich nur für ganz große Kassen. Dann wäre eigentlich noch das Problem, dass wir durch die Dekadenzahlung beim pharm. Großhandel ja auch noch in die Vorfinanzierung für die Kassen gehen, was eigentlich nicht zu einem Skonto, sondern zu einer Zinsvergütung durch die Kassen an die Apotheken führen müsste, sozusagen ein "Negativskonto". - Mmmh!?!
#3Maximalforderung
Die Kassen gehen mit der Maximalforderung von 2,30 in jede politische Debatte. Da frag ich mich, warum schaffen wir es nicht, dann mit 0,00 reinzugehen?? Nein, wir bedanken uns artig bei der Politik, dass sie sich für 1,75 als Verhandlungsbasis ausspricht. Unsere Vertreter werden immer nur mit "wir gehen davon aus, dass die Basis 1,75 ist" zitiert. Warum nicht einfach mal "1,75 ist noch viel zu viel, aus folgenden Gründen...." Es mangelt uns doch nicht an Argumenten..
#2Für mich falsch gerechnet
Unser Aufschlag sind 8,10€ davon 2,30€ sind 28%... und dass ist für mich Sittenwidrig, selbst 1,70€ sind noch 20%. So muß man aus unserer Sicht argumentieren. Dann begreifen auch Politiker was sie uns bisher zu muten. Christoph Leddin
#1Kein Einkaufsrabatt : Kein Kassenabschlag
Es ist unanständig, wenn der Kassenabschlag höher als ein möglicher Einkaufsrabatt ist. Der Nettokassenabschlag für die GKV-Rx-Packungen beträgt über 5% vom Netto-EK (in 2010 : 1 005 Mio EUR)– der theoretisch mögliche Einkaufsrabatt bei 3,1% (in 2010 : 316 Mio EUR). Skonto für entsprechende Zahlungsziele sind eine anderer Fall.