BfArM-Chef: Keine Analgetika-Großpackungen mehr APOTHEKE ADHOC, 03.08.2012 15:32 Uhr
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Verschreibungspflicht ausweiten: Der BfArM-Präsident Professor Dr. Walter Schwerdtfeger fordert die Rezeptpflicht für Großpackungen.BfArM
Berlin - Ginge es nach Professor Dr. Walter Schwerdtfeger, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), würde es Analgetika in Großpackungen nur noch auf Rezept geben. Dies untermauert er in einem Interview mit dem Bonner „General-Anzeiger“. Im Juni hatte der Sachverständigen Ausschuss für Verschreibungspflicht empfohlen, dass künftig nur noch Packungen für vier Tage ohne Rezept erhältlich sein sollen.
Laut Schwerdtfeger verleiten Großpackungen dazu, Arzneimittel als harmlos anzusehen. Schwere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel gastrointestinale Blutungen, werden dadurch unterschätzt, so der BfArM-Präsident. Außerdem gebe es in Deutschland jährlich 6000 gemeldete Suizidversuche, bei denen es sich um häufigen und schwerwiegenden Arzneimittelmissbrauch handelt.
Auf die Frage, ob sich kleinere Packungen negativ auf die Kosten der Krankenkasse auswirken, antwortet Schwerdtfeger, dass sei Sache der Politik. „Für das BfArM geht es allein um gesundheitliche Aspekte.“
Schwerdtfeger stellt zudem fest, dass die Pharmaindustrie aufgrund gesetzlicher Anreize zwar Orphan drugs für seltene Erkrankungen entwickelt. Allerdings wundert es den BfArM-Chef, „warum es noch kein Medikament oder keinen Impfstoff gegen ein vergleichsweise einfaches Virus wie das Schnupfenvirus gibt.“
Die Ursache hierfür liegt aus seiner Sicht in dem profitablen Geschäft mit Erkältungsmitteln, mit denen „die Pharmaindustrie weltweit Milliarden“ verdient. Ein Arzneimittel gegen den Erkältungsvirus sei daher „nicht unbedingt“ ein lukratives Geschäft.
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#1Der Herr Professor Schwerdtfeger
...ist ein glühender Verfechter des Aktionismus. Getreu dem Motto "Verändere soviel wie du kannst, damit alles so bleibt wie es ist!" spielt er der Pharmalobby in die Hände, auch wenn die sich gerade nicht besonders darüber freuen. (Ich auch nicht, denn die Leidtragenden, sind Patienten und Vor-Ort-Apotheker) Herr Schwerdtfeger, bitte präsentieren Sie uns wenigstens eine einzige Studie, welche schlussfolgert, dass seitdem vor einigen Jahren die 50er und alle anderen, über 10.000mg Gesamtgehalt hinausgehenden Paracetamol-Packungen aus dem Handel verschwinden mussten, der Gesamtkonsum an diesem Wirkstoff tatsächlich gesunken ist. Erläutern Sie bitte Ihre Überlegung, dass die Umstellung auf den 4-tägigen Maximalbedarf an der Missbrauchsproblematik auch nur einen Deut ändern wird. Ist Ihnen bekannt, dass Ärzte verschreibungspflichtige, aber meistens nicht erstattungsfähige (indikationsbezogen) Novaminsulfon/Methamizol-Präparate wie zum Beispiel Berlosin in Großpackungen zu 30 oder 50 Stück verordnen, damit sich der Patient einen kostengünstigen häuslichen Vorrat schaffen kann, auch wenn zunächst eine 10er/20er Packung genügen würde (Dosierung meistens 3x1 Tbl. tgl.)? Meinen Sie nicht auch, dass der vermehrte (preislich günstigere) Onlinekauf von XY mal 12St. OTC-Analgetika die Gesamtstatistik fälschen wird, da die gängigen Statistikunternehmen (z.B. IMS Health) dort nicht tätig werden? Könnte man Ihnen das nicht als eine mögliche Motivation ihres Handelns unterstellen, quasi die Verschiebung in den Graubereich als Ausweg aus dem Dilemma? Meinen Sie, Herr Professor, dass diese Ihre Maßnahmen Aufklärung über Gesundheitsgefahren durch die Heilberufler und Suchtprävention in Schule und Gesellschaft ohne weiteres ersetzen können? Ist der Onlinekauf dazu ein Schritt in die richtige Richtung? Die Problematik muss angegangen werden, ohne Zweifel. Doch sie muss im Kopf, nicht im Geldbeutel entschieden werden. Das sehe ich als einen schwerwiegenden Fehler Ihrerseits an.