Kommentar

Ausgerechnet Dexcel Alexander Müller, 19.04.2012 13:14 Uhr

Berlin - Mit ihrer sechsten Rabattvertragsrunde hatte die AOK im vergangenen Sommer einen katastrophalen Start hingelegt. Weil der Vorlauf viel zu kurz war, konnten etliche Hersteller nicht aus dem Stand die geforderten Mengen liefern. Mittlerweile hat sich das Ganze eingerenkt. Nur mit dem Rabattpartner Dexcel war die AOK so unzufrieden, dass sie den Vertrag über Metformin kurzerhand gekündigt hat. Dabei müsste der Hersteller bei der Kasse eigentlich einen Stein im Brett haben.

Frühjahr 2010: Die AOK und die Generikahersteller streiten fast im Wochentakt öffentlich über Sinn und Unsinn, Kosten, Einsparungen und Folgen der Rabattverträge. Da schlägt sich eine Firma überraschend auf die Seite der Kasse: Dexcel lobt die Ausschreibungen als Chance für kleine Hersteller, um überhaupt im Markt Fuß zu fassen. Exklusive Verträge – seinerzeit nur von der AOK im großen Stil betrieben – seien dabei noch besser als Mehrfachzuschläge, bei denen sich doch wieder nur die Großen durchsetzen würden.

Genutzt hat es Dexcel nichts. Nach Angaben des Herstellers hat die Kasse den Rauswurf nicht einmal angekündigt. Auch die Apotheken wurden von der Kasse eher zufällig informiert, als AOK-Rabattchef Dr. Christopher Hermann über die Kündigung plauderte.

Wenn die Liefersituation tatsächlich so schlecht war, wie von der Kasse behauptet, wäre ein Hinweis für die Apotheken hilfreich gewesen. So ist Dexcel bis heute als Rabattpartner in der Software gelistet, und die Apotheken müssen jede Nichtabgabe dokumentieren. Für Dexcel ist das immerhin ein kleiner Trost: Der Exklusivstatus im April sichert Umsätze ohne Rabatt – vorausgesetzt, es ist genug Metformin da.

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