Apotheker-Brief an SPD

Die Verwechselung von Schulz und Schulze Lothar Klein, 10.05.2017 07:50 Uhr

Berlin - Noch ist nicht absehbar, ob noch einmal Bewegung in den festgefahrenen Koalitionsstreit über das Rx-Versandverbot von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kommt. Trotzdem will Apotheker Maik Ullrich noch nicht aufstecken. „Das Rx-Versandverbot kommt bestimmt noch einmal auf den Tisch, spätestens in den nächsten Koalitionsverhandlungen“, so Ullrich. Daher hat er einen fünfseitigen Brief geschrieben – an Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und an SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach. Darin erzählt der Apotheker beiden Politikern von einer beinahe folgenschweren Patientenverwechslung.

Zwei ältere Patienten versorgt die Linden-Apotheke in Sohland an der Spree im südlichen Sachsen seit Jahren: Herrn Schulz und Herrn Schulze. Herr Schulze lebt in einer Einrichtung für betreutes Wohnen, Herr Schulz in seiner eigenen Wohnung. Kürzlich kam Herr Schulz mit drei Rezepten über sieben Arzneimittel in die Linden-Apotheke und wurde von Apothekerin Elke Ullrich bedient. Die Apothekerin holte nach den Vorgaben der Rezepte alle Medikamente und ging damit zum HV-Tisch. „An seinem Gesichtsausdruck bemerkte ich, dass etwas nicht stimmen konnte“, schrieb jetzt Ullrich, der die Situation beobachtet hat, an die beiden SPD-Politiker.

Auch die Adresse des langjährigen Kunden sei ihr „spanisch“ vorgekommen. Also fragte die Apothekerin nach, ob Herr Schulz umgezogen sein. Als er das verneinte, prüfte sie die Kundenkarte und sah sogleich, dass der Arzt „komplett falsche Medikamente“ verordnet hatte. Ein Telefonat mit dem Arzt klärte die Verwechslung von Schulz und Schulze auf. Das Rezept wurde rasch ausgetauscht und Herr Schulz konnte mit den für ihn bestimmten Arzneimitteln nach Hause gehen.

„Das funktioniert aber nur in der Apotheke vor Ort, wo langjährige Kundenbeziehung besteht“, so Ullrich in seinem Brief, „denn eine Versandapotheke hinterfragt solche Dinge nicht.“ Diese gehe einfach davon aus, dass der Patient „umgestellt“ worden sei. Auch sei die Apothekentreue von Versandkunden nicht so intensiv, da die Preis- und Rabattorientierung im Vordergrund stehe. Ullrich: „Der persönliche Kontakt, insbesondere bei älteren Patienten mit vielen Medikamenten, ist für die Arzneimittelsicherheit unerlässlich.“

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