Apotheker ausgerechnet Patrick Hollstein, 07.06.2012 11:22 Uhr
Berlin - Geld ist nicht alles, heißt ein Sprichwort. Ein anderes geht: Über Geld spricht man nicht. Beide Regeln scheint die Koalition verinnerlicht zu haben – zumindest bei den Apothekern: Sie bekommen auf absehbare Zeit keine Honoraranpassung und auch keine Erklärung, warum das so ist.
Seit einem Jahr trommelt die ABDA für eine Erhöhung des Fixhonorars, hilfsweise für mehr Geld für Notdienste, BtM und Rezepturen. Mindestens die Festschreibung der Verhandlungsbasis für den Kassenabschlag sollte doch drin sein. Weit gefehlt: Bei der AMG-Novelle gehen die Apotheker sehr wahrscheinlich leer aus. Vertröstet wäre der falsche Ausdruck, denn auch Trost gibt es nicht.
Angeblich wird gerechnet. Die ABDA musste Treuhand-Zahlen zur betriebswirtschaftlichen Lage von rund 650 Apotheken liefern, die in BMG und BMWi gleich erst einmal angezweifelt wurden. Das Statistische Bundesamt und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurden in Bewegung gesetzt. Vermutlich nach der Sommerpause soll auf Basis der Statistiken ein eigener Vorschlag präsentiert werden. Der wäre dann – je nach Umfang – zustimmungspflichtig oder nicht.
Natürlich ist ein gesundes Misstrauen gerechtfertigt, zumal die Apotheker wie andere Leistungserbringer aus dem Topf der GKV bezahlt werden und Zahlen im gesundheitspolitischen Berlin immer schön gerechnet werden. Doch eigentlich weiß die Politik genau, wie sie mit großen Summen umzugehen hat. Normalerweise wird mit geraden Zahlen gerechnet: 10 Prozent Herstellerabschlag, 200 Millionen Euro Sonderopfer. Wie wurde dieser Sparbeitrag eigentlich ohne Treuhand-Zahlen gerechnet?
Wenn es wirklich einen politischen Willen gäbe, den Apothekern mehr Geld zukommen zu lassen, dann sollte dies auch ohne Buchprüfung möglich sein. Zumindest eines kann man ganz leicht nachrechnen: seit wie vielen Jahren die Apotheker keine Honoraranpassung bekommen haben. Auch Schließungen und Umwandlungen in Filialen kann man leicht zählen. Wenn der Inhaber die Tür zur Offizin das letzte Mal hinter sich zusperrt, ist es nämlich egal, ob es vorher eine durchschnittliche Apotheke war oder eine typische.
Lesen Sie auch
-
Apothekenhonorar
AMG-Novelle ohne Apotheken»
-
AMG-Novelle
ABDA bleibt bei 624 Millionen Euro»
-
Apothekerhonorar
Rösler und Heitzer stellen sich quer»
APOTHEKE ADHOC Debatte
Neuere Artikel zum Thema
- Apothekenhonorar BVDAK rechnet mit 400 Schließungen»
Apothekenhonorar
Spahn: Vorschlag vor der Sommerpause»
Apothekervereine
Hartmann spricht bei CDU vor»
- Kommentar Bahr, Rösler, Standardfehler»
Apothekenhonorar
Zahlenkrieg um Apotheken»
APOTHEKE ADHOC Umfrage
Apotheker: Kein Problem mit Transparenz»
Mehr aus Ressort
- Kommentar Bittere Pille, guter Kompromiss»
- Apothekenhonorar Kassenabschlag steigt auf 1,85 Euro»
- Bundestag 46 Fragen zu Steuersündern»
#3.
Na schön, die FDP möchte also zur Speerspitze der Apothekenschlächter werden. Dass das Unterfangen Schwachsinn ist, muss man nicht betonen, die FDP lässt sich von Infrastrukturargumenten zugunsten des "Normalbürgers" traditionell nicht beeindrucken. Rösler und Bahr sollten mitsamt ihrer Entourage aus der Politik verschwinden. Die politischen Schwergewichte, über die diese Partei einst verfügte, sind eh nicht mehr da - es gibt wirklich überhaupt gar keinen vernünftigen Grund, diesen Haufen zu wählen.
#2Mir kommt es langsam so vor, als...
ob die Schlüsselpositionen der Politik , der Kassen und Verbände alle an einem Strang ziehen : zur Vernichtung des Mittelstandes hinein in eine abstruse Planwirtschaft um Patient und Leistungserbringer weiter auszubluten und um die Inhabergeführte Apotheke ein für alle mal auszulöschen...wenn wir ab Boden sind, die Kranken/Alten Pfleger/Helfer u Hebammen etc. sind es schon, erst dann werden die Ärtze fallen... aber auch Sie werden in große Praxis-Verbünde/Zentren gepackt und Fresenius und Rhön sind dann die Arbeitgeber.... Aufwachen......!!!
#1Es ist nicht nur Unwillen der Politik
Sondern auch die Unfähigkeit unserer "Berufsvertreter", unsere berechtigten Forderungen aggressiv genug zu vertreten. Hat jemals irgendjemand von den Ärzten einen Nachweis gefordert, wenn sie mehr Honorar wollten? Wir sind zu zahm, wann kapiert das endlich auch mal ein Herr Wolf??