Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Benjamin Rohrer, 15. November 2011, 10:56 Uhr
ADHOC: In Ihrem Antrag fordern Sie „kreative Versorgungsansätze“. Wo sehen Sie die Apotheker?
Bender: Ich gehe davon aus, dass die pharmakologischen Kompetenzen von Apothekern in der deutschen Versorgungssituation zu wenig genutzt werden. Wir Grünen würden es begrüßen, wenn sich Apotheker in Kooperationen mit Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten sowie an der integrierten Versorgung beteiligen würden.
ADHOC: Welche konkreten Aufgaben sollen die Apotheker übernehmen?
BENDER: Gerade die integrierte Versorgung bietet die Chance, neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren. So könnte es sinnvoll sein, Apotheken in die medizinische Behandlung einzubeziehen, zum Beispiel bei der Auswahl von Medikamenten und insbesondere bei multimorbiden Patienten oder zur Stärkung der Compliance.
ADHOC: Das sind komplett neue Aufgaben. Was soll das finanziert werden?
BENDER: Es ist nicht Teil unseres Antrags, aber denkbar, das Vergütungssystem von Apotheken konzeptionell zu verändern. Statt mit dem Apothekenzuschlag sowohl Distrubutions- als auch Beratungstätigkeiten zu vergüten, könnte es einen entsprechend abgesenkten Zuschlag geben, der die Distribution und Information beinhaltet und zusätzlich eine separate Vergütung für umfassendere und komplexere Beratungsleistungen.
ADHOC: Wie sollen die Apotheken in den IV-Modellen entlohnt werden?
BENDER: In unserem Antrag wird eine Erprobung von Vergütungssystemen auf der Basis von Versichertenpauschalen („Capitation“) und zusätzlichen Qualitätsanreizen („Pay for Performance“) im ärztlichen Bereich gefordert. Im Rahmen eines IV-Vertrages könnte dies auch Auswirkungen auf die Vergütung von beteiligten Apotheken haben.
ADHOC: Wo könnten sich bei einer neuen Aufgabenverteilung Probleme zwischen den Gesundheitsberufen ergeben?
BENDER: „Geänderte Arbeitsteilungen“ setzen immer mindestens zwei Parteien voraus, die sich auf eine neue Arbeitsteilung einlassen. Für Apotheker wird es in erster Linie darauf ankommen, dass Ärzte bereit sind, sich darauf einzulassen, bei der Auswahl von Medikamenten auf die Expertise der Pharmazeuten zurückzugreifen. Das bedeutet „Behandlungsmacht“ abzugeben, bietet jedoch die Chance die Versorgung zu verbessern, zum Beispiel aufgrund geringerer Nebenwirkungen.
ADHOC: Dann dürfte Ihnen das ABDA/KBV-Modell gefallen.
BENDER: Als sehr positiv bewerte ich, dass die beiden Berufsgruppen eine gemeinsame Handlungsnotwendigkeit zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit einem hohen Medikamentenverbrauch sehen. Ob gerade dieses Modell im vorgesehenen Praxistest zu Erfolgen führt, von denen alle – Patienten, Ärzte, Apotheken sowie Kassen und damit die Versicherten – profitieren, wird sich im Modellversuch zeigen.
apotheke adhoc Debatte 6 Kommentare
MitdiskutierenApothekenketten
Frau Bender
zahlt der Österle nicht mehr?
bla bla bla
bla bla bla ... integrierte Versorgung ... bla bla bla ... abgesenkten Zuschlag ... bla bla bla ... für umfassendere und komplexere Beratungsleistungen ... bla bla bla
Nix Neues: mehr Leistung und mehr Risiko bei weniger Geld, eben bla bla bla ...
...bei abgesenktem Zuschlag...
...um also das Gleiche wie bisher verdienen zu können, müssen also wieder mehr Aufgaben übernommen werden. Apotheker bekommen bekanntlich glänzende Augen, wenn sie weitere Aufgaben übernehmen DÜRFEN. So kann man in dieser Republik offenbar nur Apothekern verkaufen, keine Einkommenssteigerung erwarten zu dürfen!
Durchsichtig!
Frau Bender hasst die deutsche Ärzteschaft einfach noch mehr als die deutschen Apotheker, das ist alles. Deshalb wird bei den Ärzten Kompenzen beschnitten, wodurch man weniger bezahlen muss, und die dadurch entstandene Mehrarbeit bei den Apothekern wird Umstellung der Vergütungspraxis kostenneutral gestaltet, idealerweise sogar noch mit einem Minus für die Apotheke.
Wahrscheinlich hat das ganze 2 Ursachen .......
.... neue/alte Parteilinie ? Fr. Bender vertrat da sowieso vorher eher eine Einzelmeinung auf einem (für die Grünen) eher unwichtigen Gebiet. Vielleicht hat DIE Partei für kleinere dezentrale Strukturen erkannt, das ihre alte Gesundheitslinie dazu nicht passt. Neoliberal und "unregulierte" Marktwirtschaft/ Kapitalismus ala FDP ist gerade "megaout". (Ich warte gleich auf den Kommentar vom Kollegen Schmidt)
Desweiteren war der Wahlkreis von Bender nicht der Gehe-Wahlkreis? Die suchen jetzt auch eine neue/alte Linie.
Allet Brötchen oda was?
Biggi B. will mehr Behandlungsmacht für die Apotheker? Hat die neue Pillen? Oder bedeutet das: mehr Macht für Bäcker (ist ja das gleiche)...