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Honorarsystem

Kassenärzte wollen keine Regresse mehr

dpa/APOTHEKE ADHOC, 27. März 2009, 12:50 Uhr

  • Systemwidriges Nebeneinander: KBV-Chef Dr. Andreas Köhler fordert klare Bedingungen für Ärztehonorare.
Berlin -

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) fordert eine vollständige Neuorganisation der ärztlichen Vergütung in Deutschland. Die Krankenkassen sollten bei der Honorarverteilung nicht mehr mitreden dürfen, hieß es nach einer Krisenklausur in Berlin. Darüber hinaus wollen die Ärzte künftig nur noch für ihre Arzneimittelverordnungen haften. Für die Preise sollen nach dem Willen der KBV dagegen künftig ausschließlich Kassen, Pharmahersteller und Apotheken haften. Damit könnte das Regressrisiko für die Mediziner sinken.

Gegenüber APOTHEKE ADHOC relativierte eine Mitarbeiterin der KBV das Szenario für die Apotheken, die nur aus Gründen der Vollständigkeit der Preisgestaltungskette aufgenommen worden seien.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer Schwerpunkte: Laut Beschluss soll der „staatsmedizinischen Ausrichtung“ der vergangenen Jahre ein Ende gesetzt werden. Das „systemwidrige Nebeneinander von Kollektiv- und Selektivverträgen“ müsse sinnvoll geordnet werden, sagte der KBV-Chef Dr. Andreas Köhler. Ihr Bekenntnis zur weiteren Organisation der Versorgung knüpften die 60 Mitglieder der Versammlung ausdrücklich an die Erfüllung ihrer Forderungen.

Innerhalb einer Übergangsfrist soll laut KBV für alle GKV-Versicherten neben dem bisherigen Anspruch auf Sachleistung zusätzlich das Prinzip der Kostenerstattung eingeführt werden. Patienten würden Behandlungen demnach selbst bezahlen und bekämen das Geld hinterher wie bei der privaten Krankenversicherung von ihrer Kasse erstattet. Zum 14-Punkte-Forderungskatalog der KBV-Vertreterversammlung zählt auch die Teilnahme der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) am Wettbewerb aller Selektivverträge.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung wies die Forderungen zurück. „Das Sachleistungsprinzip ist ein Kernbestand der gesetzlichen Krankenversicherung und schützt die Patienten vor einer finanziellen Abzocke“, sagte Vize-Vorstand Johann-Magnus von Stackelberg zum Vorstoß in Richtung Kostenerstattung. „Die aktuelle Honorarreform haben die Ärzte selbst
konzipiert und im vergangenen Sommer gegen die Stimmen der Kassen beschlossen.“

Seit Monaten protestieren vor allem Fachärzte in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig- Holstein mit der Abweisung von Kassenpatienten gegen die neuen Honorarregeln, wegen denen sie Einbußen bis zu 50 Prozent fürchten.

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