Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Benjamin Rohrer, 27. Mai 2011, 09:14 Uhr
Die Krankenkassen geben ihrer Meinung nach zu viel Geld für Arzneimittel aus. Ginge es nach Michael Weller, Stabsleiter Politik beim GKV-Spitzenverband, könnten Millionen Euro alleine durch die Liberalisierung des Apothekenmarktes eingespart werden. So könnten die Kassen durch die Abschaffung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes entlastet werden - ohne dass sich die Beratungsqualität verschlechtere, argumentierte Weller beim Jahreskongress des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA).
Beispiele aus bereits liberalisierten, europäischen Ländern zeigten, dass eine Marktöffnung nicht automatisch einen Qualitätsverlust bedeute. „Viele der 'heiligen Kühe' in Deutschland sind kein Muss“, lautete daher Wellers Schluss. Zumindest das Mehrbesitzverbot müsse verändert werden: Dass Apotheker etwa Filialen nur im gleichen Landkreis eröffnen dürften, sei „ökonomisch fragwürdig“. Weller sprach von unnützen Marktbarrieren. „Es ist auch nicht nötig, dass alle Filialen die gleichen technischen Voraussetzungen erfüllen müssen“, so Weller mit Blick auf die Novellierung der Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO).
Ängste vor einer Liberalisierung seien nicht berechtigt: In den vergangenen Jahren hätten die Apotheker mit jährlichen Umsatzsteigerungen von mehr als 4 Prozent bewiesen, dass es ihnen gut gehe. Auch die seit zehn Jahren relativ konstante Apothekenzahl belege, dass ein Apothekensterben schlicht nicht eingetreten sei, so Weller. Der Versandhandel habe den niedergelassenen Apothekern nicht geschadet, zumal die Versender bis heute das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten kaum erschlossen hätten.
Das soll sich nach Ansicht von Weller ändern. Denn im Versandhandel sieht der Kassenvertreter großes Einsparpotential: „Man sollte den Versandhandel durch verschiedene Instrumente bestärken.“ Heißt konkret: Preiswettbewerb im Rx-Bereich („Apothekern mehr Preisspielraum geben“) und Beteiligung der Apotheken an neuen Versorgungsmodellen (Selektivverträge): „So bekämen wir die Arzneimittelkosten runter.“
apotheke adhoc Debatte 9 Kommentare
MitdiskutierenWessen Brot ich ess...
dessen Lied ich sing...tirili....
Was für ein "Dünnbrett-Bohrer" .......................
..........der sich die Argumente so zusammensucht, bis sie passen.
Zum Thema Fremd-/Mehrbesitz: siehe UNGARN (die schaffen ihn gerade wieder ab). Auch sind die Preise bei Oligopolen wie in Schweden nicht gerade gesunken - einmal abgesehen von der übrigen Entwicklung (wer will soetwas??).
Zum Thema Versand-"Apotheke": Gerade DORT sollte er über das Thema "Beratung" einmal nachdenken. Jedoch: FEHLANZEIGE!
Zum Thema Preisgestaltungsfreiheit: Hier an Apotheken zu denken zeugt von Zynismus (wovon eigentlich noch ?), Ignoranz (seit Jahren werden Rabatte gerade von den Kranken-Kassen "weggesaugt") oder schlicht UNKENNTNIS.
Im übrigen ist die wirkungsvollste Methode der Arzneikostensenkung die gesetzlich verordnete Harmonisierung der ApI's auf ein EU-Mittelmaß.
Also: 'ran an die Industrie, wenn Sie sich trauen, Herr Weller!
Ach ja, da waren ja noch die Krähen und die Augen.........
Im übrigen scheint der Jahreskongress des Bundesverbandes Deutscher Versandapotheken (BVDVA) ja das reinste Jahrestreffen der Claqueure zu sein (s. BDI Dr Höfer etc.) ..................
Kassen fänden Ketten gut
...wie lange, bis ein zwei Ketten den Kassen den Preis diktieren?
...kein Qualitätsverlust - und was ist in den Ländern in denen es nur noch in größeren Städten Apotheken gibt und in kleineren Städten, Orten händeringend nach Apothekenleitern gesucht wird, da diese Standorte für Ketten nicht rentabel sind?
...relativ konstante Apothekenzahl - seit Jahresbeginn soviel Apothekenschließungen wie noch nie (ca. 2 pro Woche), verschönert um die Zahl der Filialapotheken, die als Einzelapotheke nicht existent wären.
...Umsatzsteigerung von 4 % bedeutet bei weniger verordneten Packungen Verlust!
Herr Weller ist also Stabsleiter Politik beim GKV Spitzenverband - nicht schlecht...(den Rest spar ich mir). Ich könnte mir vorstellen, das man sein Gehalt und das einiger Kassenvorstände auch einsparen könnte - weniger Kassen, weniger Personalkosten - ohne Qualitätsverlust!!
Dreck schmeissen
Das Problem an solchen Tiraden ist, dass von dem Dreck, der geschmissen wird, immer etwas hängen bleibt. Da gerät bald in Vergessenheit, welcher Pfeifenheini im Rahmen welcher Furzveranstaltung sowas gesagt hat. Es ist erst einmal "draussen". Drum: Solchen Leuten gar nicht erst ein Podium geben. Nur ... solange der Vorsitzende dieser Apothekergruppierung selbst in grob fahrlässiger Weise am Honorar rüttelt ... solange bieten solche Vereine auch anderen Hirngespinsten Plattformen ...
Mythen, Irrtümer,Lügen
laut Simone de Beauvoir ist die hinterhältigste Lüge die Auslassung
- Wer von relativ konstanter Apothekenzahl spricht, lässt aus, dass diese Anzahl nur durch unrentable Filialisierungen ungefähr gehalten wird aber die Anzahl der Apothekenbesitzer drastisch gesunken ist.
- Wer von wertmäßigen Umsatzsteigerungen in den Apotheken spricht, lässt aus, dass die apothekerliche Leistung über die Anzahl der Packungen honoriert wird ...und die ist sinkend.
- Wer vom Sparen am Honorar für die apothekerliche Leistung spricht und dabei auslässt, dass die Ausgaben der GKV-en für die apothekerliche Leistung im Jahr 2010 für fast 148 00 Beschäftigte nur 2,5 % betragen und für die Verwaltung der GKV-en und deren 138 000 Beschäftigte 5,4 % betragen, der gibt Simone de Beauvoir recht.
Und...
...jährlich grüßt das Murmeltier. Die Nummer hatten wir vor fünf Jahren doch schon mal. Nebenbei wollte er seinem Gastgeber zu Munde reden, beim Apothekertag setzen die Kassen dann wieder auf die ortsnahe Versorgung - Quintessenz: solchen Leuten nicht glauben.
Dann finden die Ketten
bestimmt auch die Kassen gut. Und ganz besonders den Herrn Weller. Gibt es eigentlich irgendeine Studie, ob sich irgendetwas bessern würde? Oder ob das dann so wird wie an der Tankstelle oder beim Stromanbieter. Oder bei den Krankenkassen. Die werden auch immer mächtiger. Und wenn's drauf ankommt, lassen die die Versicherten vor der Tür stehen.... Was soll's?! Der Mann ist ärgerlich aber unwichtig.
Überflüssig
Wobei es dann wohl auch keinen GKV-Spitzwenverband und keinen Job mehr für Männlein wie Herrn Weller gäbe.
Noch mehr Einsparpotenzial
wäre vorhanden, wenn man die Zahl der Krankenkassen in Deutschland auf (völlig ausreichende) 10 Stück reduzieren würde.