Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Janina Rauers, 08. Februar 2012, 16:45 Uhr
Die Hersteller fürchten bei einer Offenlegung der Rabatte eine abnehmende Preisspirale: Andere Länder würden Bezug auf die deutschen Preise nehmen, die Kassen wiederum könnten unter Verweis auf niedrige ausländische Preise vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und neu verhandeln. Blieben die vereinbarten Rabatte dagegen vertraulich, profitierten auch die Krankenkassen von dem größeren Verhandlungsspielraum der Hersteller.
Die Unternehmen fordern seit Monaten, dass die Rabatte nicht offen gelegt werden. Unterstützung haben sie sich von Professor Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen geholt: Der Wissenschaftler schlug gestern auf einer Veranstaltung der Pharmaverbände vor, die Nachlässe wie bei den Rabattverträgen über die Apothekenrechenzentren beziehungsweise für die privat Versicherten über die Abrechnungsstelle Zesar einsammeln zu lassen.
Die Beteiligten müssten gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet werden, so Wasem. Die Hersteller müssten zudem die Rabatte ihrer Mitbewerber für die jeweilige Vergleichstherapie erfahren. Problematisch sei bei diesem Modell, wie Versicherte, die auf Einreichung der Rechnungen verzichten, von den Rabatten profitieren könnten.
In der Politik fällt die Reaktion verhalten aus: Grundsätzlich kann sich Jens Spahn (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, zwar eine Geheimhaltung der Rabatte vorstellen: Wenn die Hersteller dann zu größeren Rabatten bereit wären, sei es wert, darüber nachzudenken. Ideal sei aber ein leicht umzusetzender Vorschlag, den die Hersteller im Vorfeld bereits mit Kassen, PKV und Beihilfe abgestimmt hätten.