Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Alexander Müller, 29. September 2010, 08:32 Uhr
AOK-Rabattchef Dr. Christopher Hermann sieht seine Felle davon schwimmen: 700 Millionen Euro wollte er im kommenden Jahr mit „seinen“ Rabattverträgen sparen. Doch durch die geplanten Reformen bangt er um die Rabatte. Mit APOTHEKE ADHOC sprach Hermann über die Mehrkostenregelung, den Aufwand der Apotheken und warum er die Rabattverträge so persönlich nimmt.
ADHOC: Wie zufrieden sind Sie mit den Rabattverträgen?
HERMANN: Probleme bei der Umsetzungsquote gibt es, sobald es Unklarheiten gibt bei den Indikationen und Packungsgrößen. Aber grundsätzlich sind wir zufrieden. Wir sehen die Probleme in der praktischen Umsetzung, die der Gesetzgeber - Gott sei Dank - angeht, und dann werden sich die Quoten noch entsprechend anders gestalten. Aber unter den heutigen Umständen ist das der Erfolg, den wir wollten. Den haben natürlich auch die Apotheker ganz wesentlich - positiv gemeint - mit verursacht.
ADHOC: Was halten Sie von der Mehrkostenregelung?
HERMANN: Die Mehrkostenregelung ist praktisch nicht durchführbar. Wir haben aktuell mehr als 1800 PZN unter Vertrag. Dazu kommen geschätzt 25.000 Arzneimittel, die austauschfähig sind zu diesen PZN. Wie das in der Apotheken-Software überhaupt abgebildet werden soll, mit zweiwöchentlich wechselnden Preisen, das steht für mich völlig außerhalb jeder Vorstellungsmöglichkeit.
ADHOC: Werden die Hersteller das ausnutzen?
HERMANN: Dass Firmen, die bei einer Ausschreibung nicht zum Zug kommen, andere Wege finden werden, um am Markt hohe Präsenz zu haben, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Das gilt umso mehr für hochpreisige Arzneimitteln, bei denen es um dreistellige Beträge pro Packung geht. Wie das dann im Einzelnen läuft, weiß heute niemand. Aber wir werfen dem Gesetzgeber vor, dass hier falsche Anreize gesetzt werden.