Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
APOTHEKE ADHOC, 20. April 2011, 13:43 Uhr
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat sich in die Diskussion um die Novellierung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) eingeschaltet und Einschränkungen bei Anfertigungen in der Apotheke gefordert. So sollen Apotheken nach Vorstellung des Verbandes nur noch Rezepturen herstellen, wenn es kein geeignetes zugelassenes Fertigarzneimittel gibt. Auch bei der Qualität der eingesetzten Wirkstoffe sieht der BPI Handlungsbedarf.
„Es kann nicht sein, dass in Deutschland Patienten in der Apotheke hergestellte Produkte bekommen, die beispielsweise in Bezug auf die Qualität der Wirkstoffe nicht höchsten Standards entsprechen müssen, wenn es im Markt Fertigarzneimittel gibt, die qualitativ hochwertiger sind“, sagte Professor Dr. Barbara Sickmüller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des BPI. Der Verband stützt sich mit seiner Forderung auf eine Resolution des Europarats, wonach Fertigarzneimitteln Vorrang vor Rezepturarzneimitteln einzuräumen ist.
Die Hersteller kritisieren, dass Apotheken - im Gegensatz zur Industrie - derzeit keine Wirkstoffe einsetzen müssen, die den Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP) entsprechen. Es dürfe nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. „Es ist sicherlich richtig, dass an die Räume der Apotheke nicht die gleichen Anforderungen gestellt werden können, wie an ein pharmazeutisches Unternehmen. Aber wenn es Wirkstoffe gibt, die den hohen Anforderungen der Guten Herstellungspraxis genügen, müssen diese auch in Rezepturen in Apotheken eingesetzt werden“, so Sickmüller.
apotheke adhoc Debatte 12 Kommentare
Mitdiskutieren@ (10)
Ich gebe allerdings zu bedenken, dass, wenn wir uns auf die "ausgefallenen" (zB Pädiatrie) Rezepturen reduzieren lassen, wir relativ schnell in die missliche Lage kommen, dass 99 % der Pharmazeuten das Anfertigen von Rezepturen schlichtweg verlernen. Und dann kommt wieder das Geschrei "wir brauchen Rezepturstützpunkte". Das möchte ich gerne im Vorfeld vermeiden ... denn das ist ein Teufelskreis: Keine Erfahrung mehr, keine Substanzen mehr, keine "Performance". Von der anderen Seite die Philosophie "Filialen brauchen kein Labor" ... dann ist der Schritt zur generellen Streichung nah.
zu (10)
Ich bin mit Ihrem Kommentar 100% einverstanden und würde den so wie er ist unterschreiben! Der "Sauhaufen" bezog sich auf den Beitrag von Frau Professor, nix für ungut, Kollege.
@8
Deutsche Apotheker sind kein Sauhafen, sonst wäre ich selbst einer. Es ging mir darum das unsere Zeit für andere Leistungen, mit der Ausnahme spezieller Rezepturen, besser angelegt wäre.
@7 Rezepturen für die Säuglinge/Kleinkinder halte ich für sehr wichtig, hier bleibt die Fahne am senkrechten Mast.
Rezepturen
Das würde dem BPI gut gefallen. Ziel ist sicher nicht das vergleichsweise geringere Rezepturaufkommen der öffentlichen Apotheken. Die echte Konkurrenz stellen die Großen produzierenden Krankenhausapotheken dar. Diese sind im Klinikgeschäft die starken Preisbrecher. Ich wünsche der ADKA gutes Stehvermögen und einen nachhaltigen Erfolg bei der Erhaltung der Rezeptur für uns alle!!
O. Kattinger
@6 d'accord
... aber das lässt sich auch sauber verargumentieren, ohne dass man uns als Sauhaufen darstellt.
@ (6)
Ich vergleiche mich ungern mit Apotheken in England/Schottland - genau DORTHIN will ich nämlich meinen Patienten zuliebe NICHT kommen. Und alleine die Relevanz der Pädiatrie und der Patienten mit allergischem Hintergrund rechtfertigt es, die Fahne der Rezeptur hochzuhalten. Die Industrie stiehlt sich nämlich immer mehr aus ihrem Auftrag, eine Rundum-Versorgung sicherzustellen. Die Nachzulassung tut ein Übriges, wertvolle Kombipräparate zu killen. Und plötzlich hat die Apotheke den Versorgungsauftrag. Die Qualität schaffen wir locker. Und was die Wirtschaftlichkeit anbelangt, müsste "nur" der Grundsatz "Leistung kostet Geld" berücksichtigt werden. Das allerdings erfordert ein generelles Umdenken in diesem Lande ... DA könnten wir von Nachbarländern durchaus lernen ;-)
in anderen Ländern schon längst realität
jeder Apotheker in England/Schottland oder Irland würde nur den Kopfschütteln über uns.
Rezepturen haben eigentlich nur noch Relevanz bei Säuglinge/Kleinkinder und Patienten mit einem allergischen Hintergrund. Die Antibotika/Kortisone etc pp dieser Welt sind schon lange in Fertigarzneimitteln vertreten.
Kein Apotheker kann qualitativ UND (sehr wichtiges Wort) wirtschaftlich mit einem industriell hergestellten Fertigarzneimittel mithalten, falls ein solches Präparat existiert.
Welcher Kollege glaubt schon das seine 0,5% Hydrocortisone Creme eine bessere Stabilität UND Wirkstoff-verteilung hat als die der Hersteller?! Bitte um Hände hoch.
...
Das Gewäsch der Sicken Müller ist eine Frechheit...
einverstanden :-)
Die Formulierung "geeignetes Fertigarzneimittel" ist doch genial ! Dermatika unkonserviert, Abgabemenge abweichend von den industriellen Größen und Fähigkeit, auch dann zu liefern, wenn die Industrie gerade mal wieder Engpass hat ... das alles kann nur die Apotheke. Sturm im Wasserglas, Frau Dr. BPI-stvHGFin. DASS Rezepturarzneimittel anders zu bewerten sind als Fertigarzneimittel, ist unstrittig - aber deshalb die Rezeptur zu torpedieren, ist Unfug. Wichtig aus Sicht der Apotheke ist allerdings, dass wir endlich ein System schaffen, das es uns ermöglicht, auch Kleinstmengen Wirkstoffe in höchster Qualität für Rezepturen zu bekommen. Ich kann nicht 4,8 Gramm Corticoid vernichten, wenn ich nur 200 mg brauche und 5 g kaufen muss. Diese Crux ist eines der Probleme, warum immer mehr Apotheken Rezepturen ablehnen und damit auch das Wissen verlernen - ein Teufelskreis ...
GMP besser als Arzneibuchqulität ??
Die Wikstoffe die wir in der Apo einsetzen sind vom ZL
nach Arzneibuch geprüft und die sollen jetzt nicht mehr gut sein??? na, dann kann ich das Abo für diese Schinken endlich kündigen, spart ne Menge Geld.