Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Alexander Müller, 12. Dezember 2011, 13:05 Uhr
Junk steht auf der Wiese zwischen Kanzleramt und Parlamentsgebäude und hält entschlossen sein Plakat in die Luft: „Apotheken vor dem Kollaps“ steht darauf und: „Schluss mit der Neiddebatte. Apotheken sind am Ende!“ Viel Aufmerksamkeit bekommt er nicht – an diesem stürmischen Herbsttag sind nur wenige Touristen vor dem Reichstagsgebäude zu sehen. Doch ein paar Passanten sprechen den Mann im weißen Kittel an, hören zu und studieren seine Tabelle: Rohertrag, Personalkosten, Betriebsergebnis.
Mit seiner Hauptapotheke in Marburg samt Krankenhausversorgung und Blisterzentrum ist Junk eigentlich voll im Geschäft. Doch die Gießener Filiale ist eine typische Apotheke – Junk präsentiert die Ergebnisse: Von 1,4 Millionen Euro Umsatz zwischen Januar und Oktober blieb unter dem Strich ein Minus von 1270 Euro.
„Ich will kein Mitleid und demonstriere nicht für einen Bestandsschutz. Ich fordere eine angemessene Wertschätzung für die Arbeit der deutschen Apotheken“, sagt Junk. Doch wegen der Umstellung des Großhandelshonorars müssten die Apotheken 2012 einen zusätzlichen Ertragsrückgang von 2 Prozent hinnehmen.
Junk erwartet, dass dann gerade in ländlichen Regionen Strukturen dauerhaft zerstört werden. Aktuell versuche die Regierung mit großem finanziellen Aufwand, die Versorgungsengpässe bei den Ärzten zu schließen. „Trotzdem werden dieselben politischen Fehler jetzt bei den Apotheken wiederholt. Hat denn niemand dazu gelernt?“, fragt er eine junge Frau, die auf seine Protestaktion aufmerksam geworden ist.
Junk weiß, dass er mit seiner Ein-Mann-Demo nicht viel erreichen kann. Trotzdem war die Aktion wichtig für ihn: „Irgendetwas muss man doch unternehmen. Ich konnte nicht mehr nur in der Apotheke sitzen und mich über das ganze Dilemma ärgern. Jetzt habe ich wenigstens das Gefühl, aktiv geworden zu sein“, sagt der Apotheker.
apotheke adhoc Debatte 10 Kommentare
Mitdiskutieren#10 Re: Unternehmerisches Risiko
@9
Genau das bezweifle ich, dass in seiner Hauptapotheke "nur etwas mehr als ein Angestelltengehalt" übrig bleibt. Und wenn die Filiale nichts einbringt, soll er sie eben dicht machen.
#9 Unternehmerisches Risiko
@8 Das muss er auch gar nicht, Jesus durfte auch ein Tuch um die Lenden gehüllt behalten. Und er war ein Verurteilter.
Bei diesem Thema (BWA= Betriebswirtschaftliche Auswertung) geht es doch vermutlich um Verhältnismäßigkeit. Da ist es nicht von Bedeutung, ob beim Umsatz 1,5 oder die 3 vor den 6 Nullen steht. Unterm Strich ergibt sich eine rote Zahl! Das verdeutlicht, dass auch beim doppelten Umsatz nur etwas mehr als ein Angestelltengehalt heraus kommt.
Das ist m.E. nicht gerechtfertigt. Und ich denke, da bin ich nicht allein.
#8 BWA der Hauptapotheke?
Hat er auch die BWA seiner Hauptapotheke dabei gehabt?
#7 Meine höchste Achtung ....
vor diesem Apotheker, da läuft es mir kalt über den Rücken.
Meine Hochachtung
Herzliche Grüße aus dem Württembergischen
#6
Dieser Kommentar wurde entfernt.
#5 einer fängt immer an... viele müssen folgen
Hut ab Herr Kollege
Heute einer, morgen 10 , in einer Woche 100.
Der Mann hat angefangen, nun müssen wir helfen.
Ab nach Berlin und 1x die Woche demonstrieren und aufklären oder 2012 gemeinsam untergehen.
Wir müssen was tun, schnell...
#4 ich wäre dabei...
... wenn mir die beitriebliche Realität in meiner "typischen Apotheke" noch die finanziellen ( und damit zeitlichen ) Ressourcen ließe.
Hut ab! Auch von mir!!!
#3 Applaus...
...und sehr peinlich für unsere Standesvertreter, wenn ein zu Vertretender mehr Hoffnung in einer Ein-Mann-Demo sieht.
#2 Respekt!
Auch von mir. Grüße aus dem Badischen nach Marburg!
#1 Der Erste von allen ........................
Chapeau + Gruß nach Marburg !