Medikationsmanagement

AMTS: „Wir stehen immer noch ganz am Anfang“ Dr. Kerstin Neumann, 08.04.2016 11:32 Uhr

Dr. Thomas Lipp, Allgemeinmediziner und Mitglied im Hartmannbund, sieht die Apotheker beim AMTS als den Ärzten nachgeordnet an. „Das Medikationsmanagement ist bereits das Kerngeschäft der Hausärzte“, so Lipp. Er selbst sei froh, wenn ein kompetenter Apotheker ihn dabei unterstütze. Die Hoheit müsse aber beim Mediziner bleiben. „Die Apotheker sind heute weder willens noch in der Lage, ein vollständiges Medikationsmanagement durchzuführen“, ist Lipp überzeugt.

Allerdings sei es dringend an der Zeit, dass auch die Ärzte sich weiter entwickelten. „Bedauerlicherweise ist die Medizin heute fokussiert auf Normen. Den Ärzten wird eingebläut, nur nach Leitlinien zu therapieren“. Ein modernes Medikationsmanagement sei aber so nicht machbar. „Wer nur auf Normen setzt, vergisst die individuellen Bedürfnisse der Patienten.“ Es passiere viel zu häufig, dass Patienten übertherapiert, dafür aber andere Aspekte außer Acht gelassen würden.

„Es muss den Ärzten klar werden: Kein Patient darf mehr als fünf Medikamente bekommen“, so Lipp. Stattdessen müsse man viel mehr auf andere Aspekte achten. „Ältere Patienten ernähren sich oft schlecht. Damit verändern sich aber auch Arzneimittelwirkungen. Man könnte auf viele Medikamente verzichten, wenn man sich zunächst einmal die allgemeine Konstitution anschaut.“

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