Zyto-Skandal

Pfusch-Apotheker kommt vor Gericht APOTHEKE ADHOC, 11.05.2017 12:34 Uhr

Berlin - Seit knapp sechs Monaten sitzt der Bottroper Apotheker Peter S. in Untersuchungshaft – und schweigt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mindestens zehntausende Infusionen zur Krebsimmuntherapie gestreckt zu haben. Nun muss das Oberlandesgericht Hamm entscheiden, ob die U-Haft verlängert wird. In verschiedenen straf- und zivilrechtlichen Verfahren soll jetzt Anklage erhoben werden.

Der 46-jährige Apotheker sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, seit am 29. November seine Geschäfts- und Privaträume durchsucht wurden. Auch seine Konten wurden eingefroren. Die Apotheke wird mittlerweile wieder von seiner Mutter geführt, die auch die Betriebserlaubnis erhalten hat.

Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass S. Infusionslösungen gestreckt hat. In mindestens 40.000 Fällen soll er Infusionen zur Krebsimmuntherapie abweichend von den individuellen ärztlichen Verordnungen zu gering dosiert haben. Außerdem soll er bei der Herstellung gegen Hygienevorschriften verstoßen haben; laut Bild-Zeitung sollen sogar zurückgenommene, bereits abgerechnete Infusionen erneut benutzt worden sein. Mit den Kassen hat der Apotheker den vollen Betrag abgerechnet. Der finanzielle Schaden liege bei 2,5 Millionen Euro.

Ausschlaggebend für die Ermittlungen waren Hinweise eines Insiders; ein Abgleich von Abrechnungen und Lieferscheinen ergab Diskrepanzen. Die Staatsanwaltschaft versucht seit einem halben Jahr die Beweise zu sichern, schon wegen des Umfangs nehmen die Arbeiten viel Zeit in Anspruch. Da die sechsmonatige Frist für die U-Haft demnächst abläuft, haben die Ermittler eine Verlängerung beantragt. Parallel soll demnächst Anklage erhoben werden.

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