ARD-Reportage

Fälscherwerkstatt trifft Pharmakonzern trifft Apotheke Nadine Tröbitscher, 18.05.2017 11:47 Uhr

Berlin - Beim Thema Arzneimittelfälschungen denken die meisten an Drogenküchen in Hinterhöfen. Der gestrige Themenabend der ARD zeigte aber, dass es Zusammenhänge zwischen seriösen und illegalen Kanälen gibt. Einer Realität, der man ins Auge blicken müsse. Denn auch in Deutschland gebe es Opfer von Fälschungen.

Petra H., 65 Jahre aus München – Diagnose: Nierenkrebs. Seit sechs Jahren lebt die Frau mit der „fiesen“ Erkrankung. Hilflosigkeit machte sich laut ARD-Dokumentation bei ihr breit, als die erst erfolgreiche Therapie unwirksam wurde und sich ihr Zustand verschlechterte. Am Uniklinikum München war sie mit Sutent (Sunitinib, Pfizer) erfolgreich behandelt worden: Die Krankheitsprogression verlangsamte sich – bis sie eine neue Packung aus einer Münchener Apotheke anbrach.

Der Zustand der Frau verschlechterte sich, es bildeten sich neue Metastasen – auch Nebenwirkungen verspürte die Patientin plötzlich nicht mehr. Professor Dr. Michael Staehler von der Uniklinik geht davon aus, dass es sich um eine Fälschung gehandelt haben muss. Er ist sich sicher: „Durch die Einnahme des wirkungslosen Medikaments hat sie sicher Lebenszeit verloren.“ Für den behandelnden Arzt ein „billigendes Töten von Patienten zur Maximierung eigener Profite“. H. ist nicht das einzige Opfer, in München hat es laut Staehler fünf bis sieben Fälle gegeben – die Dunkelziffer sei jedoch höher.

Obwohl es sich bei den Packungen wohl um Reimporte handelte, wurde auch die Rolle von Pfizer kritisch beleuchtet: Laut Dokumentation hatte der Originalhersteller 2011 Wirtschaftsdetektive beauftragt, die herausfinden sollten, ob sich illegale Ware in Deutschland im Umlauf befand. Die Ermittler entdeckten einen Zwischenhändler in Großbritannien, der illegale Ware über Pakistan verbreitete. Die Präparate seien ohne Wirkstoff oder zu gering dosiert gewesen, so der Beitrag. Pfizer stellte die Ermittlungen jedoch ein – angeblich aufgrund der Sorge um das Ansehen der Firma, denn auch der Originalwirkstoff sei von Fälschungen betroffen gewesen. Erst drei Jahre später warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Menschen.

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