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Arzneimittelkriminalität

Fälscher nutzen deutsche Labore

Benjamin Rohrer, 19. Mai 2011, 16:36 Uhr

  • Medikamente statt Rauschgift: Laut Zollkriminalamt steigt die Zahl der beschlagnahmten Arzneimittelfälschungen rasant.Foto: Zollfahndungsamt Essen
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Berlin -

Die Zahl der sichergestellten Arzneimittelfälschungen ist in den vergangenen fünf Jahren fast um das Fünfzigfache angestiegen: Während das Zollkriminalamt (ZKA) 2005 noch etwas mehr als 400.000 illegale Tabletten und Ampullen sicherstellte, waren es im vergangenen Jahr schon knapp 20 Millionen. Neueste Tendenz: Wegen größerer Gewinnmargen importieren die Banden Grundstoffe und stellen die Plagiate selbst her. Ihre Zielgruppe sind Bodybuilder.

Insbesondere der Vertrieb von Ampullen ist extrem angestiegen: 2009 hatte die Behörde 220.000 Ampullen aus dem Verkehr gezogen, im vergangenen Jahr waren es mehr als 14 Millionen. „Das liegt auch daran, dass Frankfurter Zollfahnder im vergangenen Herbst in der Nähe von Gießen ein riesiges Lager ausgehoben haben“, so der Sprecher. Auch die Zahl der beschlagnahmten Tabletten hat zugenommen: Von 2007 auf 2008 stieg die Zahl um 3,2 Millionen auf 4,7 Millionen. Allein in Nordrhein-Westfallen hat sich die Anzahl der Ermittlungsverfahren von 37 auf 79 mehr als verdoppelt.

Die hohen Gewinnmargen hätten inzwischen die organisierte Kriminalität auf den Plan gerufen. „Die Täter rechnen mit höheren Gewinnspannen als zum Beispiel durch den Rauschgifthandel“, so der ZKA-Sprecher. Der Materialeinsatz sei verschwindend gering, da die Grundstoffe zumeist sehr günstig aus Asien bezogen würden. Banden, die früher im Rauschgift- oder Zigarettenschmuggel beobachtet worden seien, fälschten jetzt Medikamente. „Die verdienen leider sehr gut damit, bei Festnahmen entdecken wir bei den Drahtziehern häufig auch Luxusautos und wertvolle Immobilien“, so der ZKA-Sprecher.

Bei den Fälschungen handelt es sich meistens um „Lifestylepräparate“, etwa Potenz- oder Haarwuchsmittel. Blockbuster sind aber immer noch anabole Steroide. Nach der Herstellung bieten die Fälscher ihre Präparate im Internet an. Von Untergrundlaboren in großen Ballungsräumen oder in der Nähe von großen Flughäfen aus werden die Präparate bundesweit verschickt.

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