Temperatur-Studie

Versender lassen Paracetamol-Saft einfrieren APOTHEKE ADHOC, 26.07.2017 15:15 Uhr

Berlin - Großhändler fühlen sich oft gegenüber Versandapotheken diskriminiert. Während sie selbst aufgrund der EU-Richtlinie Good Distribution Practice (GDP) für viel Geld ihre Flotten umrüsten müssen, verschicken die Versandapotheken ihre Päckchen ungesehen der Lagerbedingungen mit der normalen Post. Eine Studie des European Institut for Pharma Logistics (EIPL) hat dies jetzt noch einmal nachgewiesen. Die Ergebnisse der Temperatur-Studie im Versandhandel seien „alarmierend“.

EIPL hatte Anfang des Jahres bei Versandapotheken online verschiedene Medikamente bestellt. Gleichzeitig wurden 100 Test-Päckchen mit Temperatur-Sensoren verschickt, verteilt auf die fünf von Online-Apotheken standardmäßig gewählten Paketdienstleister. Diese Päckchen kamen als unzustellbar zurück, da bewusst ein falscher Empfänger angegeben war. Auf diese Weise konnten die Temperaturbedingungen beim Transport über die Paketdienste nachvollzogen werden. Die Päckchen gingen nach Hamburg, Köln, Dresden, Rosenheim und Fulda, um möglichst viele verschiedene Regionen abzudecken. Sechs Päckchen gingen vollständig verloren.

Die Ergebnisse der Temperatur-Studie seien alarmierend, so EIPL. „Erstens zeigte sich, dass auch temperatursensible Medikamente von den Online-Apotheken nur in normalen Versandkartons geliefert wurden – und damit unzureichend geschützt vor zu tiefen oder zu hohen Temperaturen. Zweitens verdeutlicht die Daten-Auswertung der mit Sensoren bestückten Päckchen, dass die Temperaturbedingungen in vielen Fällen nicht eingehalten werden können.“ Die gemessenen Temperaturen während der Zustellung schwankten zwischen -12,5°C und +35,9°C – im letzteren Fall vermuten die Studienautoren, dass das Päckchen im Fußraum oder auf dem amaturenbrett abgelegt wurde, wo es der Heizungsluft direkt ausgesetzt war.

Zu den bestellten Medikamenten zählte ein Paracetamol-Saft von Stada, der laut Fachinformation nicht unter +8°C zu lagern ist – und damit laut GDP so zu transportieren ist. Die zeitgleich mit demselben Dienstleister versandten Test-Päckchen mit den Temperatur-Sensoren zeigten, dass die Pakete während der Auslieferung Temperaturen von bis zu -12°C ausgesetzt waren – und das in bis zu 48 Stunden Versandzeit. „Vom Hersteller haben wir die klare Aussage erhalten, dass dieses Produkt in solch einem Fall keinesfalls mehr verwendet werden soll“, sagt EIPL-Geschäftsführer Christian Specht. „Denn laut Hersteller kann die Wirksamkeit dann nicht mehr garantiert werden.“ Ferner bestellt wurden Bromelaintabletten hysan (Ursapharm), Mutaflor (Ardeypharm), Lamisil (Novartis), Aspirin (Bayer) und Ibuprofen 400 (Aliud).

APOTHEKE ADHOC Debatte