Selbstmedikation

„OTC-Kritik nicht Glaeske überlassen“ Julia Pradel, 06.01.2016 14:06 Uhr

Berlin - Als Dr. Kerstin Kemmritz auf dem Deutschen Apothekertag (DAT) in München mehr Evidenz in der Selbstmedikation forderte, war die Zustimmung groß: Ihr Antrag, den Apothekern wissenschaftliche Daten zu den am häufigsten abgegebenen OTC-Arzneimitteln zur Verfügung zu stellen, wurde mit deutlicher Mehrheit angenommen. Doch die ABDA will eine solche Datenbank nicht finanzieren – aus Sicht von Kemmritz ein „Armutszeugnis für die Apothekerschaft“.

Kemmritz hatte den Antrag 2014 zusammen mit einigen Kollegen vom Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) gestellt. Sie sah die Apotheker in einem Dilemma: Sie sollten laut Perspektivpapier 2030 evidenzbasiert beraten – dafür fehle ihnen aber die Datenbasis. Kemmritz wollte erreichen, dass die Evidenz zu Nutzen und Schaden gängiger OTC-Arzneimittel aufgearbeitet und den Apothekern in praxistauglicher Form zugänglich gemacht wird. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) sah sie als geeignete Stelle.

Der Antrag wurde angenommen und von den ABDA-Gremien diskutiert. Dort kam man zu dem Schluss, dass zu Lasten des Berufsstandes keine eigene Datenbank erarbeitet und gepflegt werden soll. Auch bei der AMK sah man die Aufgabe nicht. Stattdessen denkt die ABDA über einen regelmäßigen Newsletter und eine Datenbank mit Kasuistiken nach. In dieses Register sollten Nutzer Fälle aus der Beratungspraxis eintragen können.

Damit will sich Kemmritz nicht zufrieden geben. In einem offenen Brief an ABDA-Präsident Friedemann Schmidt kritisiert sie gemeinsam mit VdPP-Vorstand Viktoria Mühlbauer das Vorgehen der Standesvertretung. Von dem Grundgedanken des Antrags, die Evidenzlage aufarbeiten zu lassen und den Apothekern alltagstauglich zugänglich zu machen, sei „nichts mehr zu erkennen“. Eine offizielle Antwort steht laut Kemmritz zwar noch aus, aber das Thema sei bei der ABDA angekommen.

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