Schweiz

Lieferengpässe: Klinikapotheker setzt auf Gruppendruck Maria Hendrischke, 04.01.2016 15:02 Uhr

Berlin - Auch in der Schweiz klagen die Kliniken über fehlende Medikamtente. Krankenhausapotheker Dr. Enea Martinelli veröffentlicht gemeinsam mit Kollegen seit September nicht lieferbare Präparate auf einer Webseite. Mit Erfolg: Mittlerweile melden Pharmaunternehmen ihre Engpässe selbst bei ihm.

Im September hat Martinelli, Chefapotheker der Krankenhausgruppe Frutingen-Meiringen-Interlaken, die Meldeplattform drugshortage.ch gelauncht. Dort trägt er nicht verfügbare Medikamente ein und zeigt zudem Behandlungsalternativen auf. Nicht nur er informiert über die Engpässe: Auf der Plattform haben sich insgesamt 40 Personen registriert, die ebenfalls Meldungen eintragen – Kollegen aus öffentlichen Apotheken und Krankenhäusern, Ärzte und ein Großhändler. Innerhalb des Netzwerks beteiligten sich alle an der Arbeit; so sei der Aufwand zu stemmen, erklärt Martinelli.

Aktuell verzeichnet die Liste knapp 250 Lieferengpässe. Diese sind nach Hersteller, therapeutischer Gruppe sowie Präparat sortiert. Im Moment fehlten besonders viele Antibiotika, so Martinelli. Auch abgeschlossene Lieferschwierigkeiten werden auf der Webseite dokumentiert. Jede Woche wird ein Newsletter mit aktuellen Meldungen an 140 Abonnenten verschickt.

Martinelli hat die Idee für seine Meldeplattform von einer kanadischen Webseite übernommen. In Kanada sind Hersteller gesetzlich verpflichtet, sämtliche Medikamentenengpässe zu melden. In der Schweiz gilt eine Meldepflicht nur für die 60 Wirkstoffe, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unverzichtbar deklariert wurden. Kann ein Pharmaunternehmen eines dieser Arzneimittel nicht liefern, muss es das beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) melden. „Aber das sichert nur eine Medikamentenversorgung auf dem Niveau eines Entwicklungslandes“, kritisiert Martinelli. Dabei sei jede Lieferschwierigkeit für die Planung in den Apotheken relevant.

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