Poker um Stada

Stada-Apotheker Meyer: Dramatischer Übernahme-Appell Lothar Klein, 10.08.2017 12:03 Uhr

Berlin - Die größte Spannung entwickeln Poker-Partien immer erst kurz vor dem Showdown – wenn alle ihre Karten auf den Tisch legen müssen. So ähnlich läuft das jetzt auch mit dem Übernahmeangebot für den Arzneimittelhersteller Stada. Bis zum 16. August läuft das Angebot für die geplante Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven. Aktuell liegt die erklärte Verkaufsbereitschaft aber gerade mal bei 28,29 Prozent. Der Verkauf-Aufruf von Stada-Vorstandschef Engelbert Coster Tjeenk Willink an die Aktionäre hat bislang kaum Wirkung gezeigt. Jetzt legt Stada noch einmal nach und schickt einen Apotheker und einen Arzt ins Rennen. Die sollen wenigsten die freien Aktionäre vom Verkauf überzeugen.

Wie schon Firmenchef Willink wenden sich Apotheker Dr. Thomas Meyer von der Kreuz-Apotheke in Seelze als Stada-Beiratsvorsitzender sowie Facharzt Dr. Frank Leu als sein Stellvertreter an die Aktionäre. In vergleichsweise dramatischer Diktion appellieren beide an die Aktionäre, das Übernahmeangebot anzunehmen. „Ist Nichtstun eine Option? – Nein!“, heißt es in dem Brief des Beirats, der APOTHEKE ADHOC vorliegt.

In einem offenen Dialog mit Vorstand und den Übernahmeinvestoren Bain Capital und Cinven hätten sie sich „persönlich“ davon überzeugt, dass es sich bei den Bietern um „finanzstarke und verlässliche Partner mit umfangreicher Erfahrung im Gesundheits- und Pharmasektor handelt, die auf Beständigkeit und Kontinuität unserer Stada setzen und ein überzeugendes Konzept für die Zukunft des Unternehmens haben“.

Das Votum der beiden hat aus Stada-Sicht besonderes Gewicht. Schließlich war einer der direkten Vorfahren von Apotheker Meyer an der Stada-Gründung im Jahr 1895 als Apothekerverein beteiligt: Oscar Meyer. Nach identischen Vorschriften begann damals die Herstellung bestimmter Präparate nach einheitlicher Konfektionierung. Diese wurden in ganz Deutschland zum gleichen Preis verkauft. Der Name Stada steht für „Standard-Präparate Deutscher Apotheker“. Die Hoffnungen, die sich mit diesem Brief verbinden, liegen also auf der Hand: Wenn sich schon der Nachkomme eines Gründungsmitgliedes für die Übernahme stark macht, kann daran nichts Schlechtes sein.

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