Kommentar

Patientenfreundliches Zuweisen Julia Pradel, 28.01.2016 14:30 Uhr

Berlin - Das Zuweisungsverbot gehört zu den schwammigsten und am wenigsten verständlichen Regelungen in der Apothekenwelt. Es bestreitet sicher niemand, dass es zum Auftrag eines Heilberuflers gehört, einem hilfsbedürftigen Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – doch mindestens genauso präsent ist die Angst vor dem Verlust der Unabhängigkeit und vor Netzwerken, die sich gegenseitig Patienten zuschieben.

Die oberste Prämisse im Gesundheitswesen ist die Versorgung und der Schutz der Patienten – oder sollte es zumindest sein. Deshalb gibt es so viele Regelungen: Rezepte sind essenziell, Apotheken dürfen nur von Apothekern geführt werden, Arzneimittel sollen überall gleich viel kosten – und Rezepte sollen nicht zugewiesen werden.

Dass das Zuweisungsverbot dem Patienten nützt, ist mitunter schwer zu vermitteln. Wie soll der Arzt der Mutter mit dem kranken und schreienden Kind, die einfach nur die nächste Apotheke sucht, verständlich machen, dass er ihr keine nennen darf? Wie soll man bewerten, wann ein „hinreichender Grund“ gegeben ist? Laut Bundesgerichtshof ist Bequemlichkeit keiner. Der Patient müsste schon mindestens gehbehindert sein, um eine Empfehlung zu rechtfertigen – oder einfach ihr Smartphone zücken.

In solchen Fällen scheint das Zuweisungsverbot nicht nur überholt, sondern sogar patientenfeindlich. Und so könnte man lautstark dessen Abschaffung fordern – doch es gibt halt auch die andere Seite: Apotheker, die Ärzten die Mieten erlassen, oder Unternehmen, die Patienten noch im Krankenbett abfangen und einer bestimmten Apotheke zuschleusen. Und das hat mit Patientensicherheit nichts mehr zu tun.

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