Hessen

Landapotheke wachgeküsst Eugenie Ankowitsch, 11.03.2017 09:16 Uhr

Berlin - Mit 77 Jahren verabschiedet sich Inhaber Günter Nagel aus seiner Apotheke. Weil er keinen Nachfolger finden konnte, schloss er die Türen seiner Amts-Apotheke in Michelbach Ende Oktober vergangenen Jahres endgültig ab. Doch Monate später geschah etwas, was der Pharmazeut als ein Wunder bezeichnet: Apothekerin Ailika Martina Walzog entschloss sich, die kleine Landapotheke zu übernehmen.

Die Amts-Apotheke wird wieder eröffnet. Die Michelsbacher hätten sich zunächst kaum getraut, sich über diese Nachricht zu freuen. Denn die Türen „ihrer“ Apotheke waren schon seit rund vier Monaten geschlossen. Anlässlich der Wiedereröffnung am 1. März seien viele vorbeigekommen, um die neue Apothekerin persönlich zu begrüßen, berichtet Walzog. „Alle begegnen mir wirklich herzlich und versichern, dass sie alles dafür tun werden, dass ich hier bleiben kann“, berichtet sie.

Der ehemalige Inhaber hatte sage und schreibe vier Jahre lang vergeblich nach einem Nachfolger gesucht, bevor er die Traditionsapotheke Ende Oktober schweren Herzens schloss. 20 bis 30 Interessenten habe er in dieser Zeit durch die Apotheke geführt. Einige Apothekerinnen hätten sich ein Arbeitsleben in der Landapotheke durchaus vorstellen können, berichtete er, aber die dazugehörigen Familien nicht.

„Die Apotheke ist wirtschaftlich so groß, dass man gut davon leben kann, aber nicht groß genug, um sie als Filiale in einen großen Verbund zu integrieren“, sagte Nagel kurz vor der Schließung dem Wiesbadener Kurier. „Wer hier raus geht“, so der Pharmazeut „trägt das Risiko, wie lange es hier draußen noch Ärzte gibt.“ Doch jetzt ist der Apotheker überglücklich: „Das ist doch wirklich wie im Märchen“, sagte er dem Lokalblatt. „Da sucht man vier Jahre lang und dann geht es so schnell.“

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