Erste Tankstelle der Welt

Stadt-Apotheke Wiesloch: Einmal tanken, bitte! Eugenie Ankowitsch, 13.08.2017 10:33 Uhr

Berlin - Als die ersten Autos gebaut wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe wie Petroleum nur in der Apotheke. Als erste Tankstelle der Welt gilt deshalb die Stadt-Apotheke in Wiesloch. Denn dort ließ Bertha Benz bei der ersten Überlandfahrt Anfang August 1888 von Mannheim nach Pforzheim ihren Wagen mit dem Leichtbenzin Ligroin tanken. Inzwischen hat sich die Apotheke zum beliebten „Wallfahrtsort“ für Oldtimer-Fans entwickelt. 

5. August 1888. Im Morgengrauen startete Bertha Benz, Ehefrau des Auto-Erfinders Carl Benz, mit ihren beiden halbwüchsigen Söhnen Eugen und Richard zu einer kühnen Tour. Sie wollten von Mannheim nach Pforzheim zu den Großeltern fahren. Es war die erste Auto-Fernfahrt der Weltgeschichte. Benz erfuhr per Zettel auf dem Küchentisch vom Familienausflug ohne ihn. Denn als seine Gattin den Motor den 1-Zylinder-Viertakt-Motor des Benz-Patent-Motorwagens ankurbelte, schlief Benz selig.

Es ist für uns heute kaum vorstellbar, welche Schwierigkeiten Bertha Benz auf dieser ersten Fernfahrt bewältigen musste. Denn es gab weder Straßen, wie wir sie heute kennen, noch Verkehrsschilder und Wegweiser. Fernstrecken wurden zu jener Zeit bereits bevorzugt mit der Eisenbahn bewältigt. Und genau dies war die Lösung, die die mutige Frau fand: Sie fuhr mit ihrem Automobil immer entlang der Eisenbahnlinie, um sich nicht zu verfahren.

Mit seinen 1,5 PS konnte ihr Wagen maximal 20 Stundenkilometer „schnell“ fahren. Bei schwierigen Straßenbedingungen verbrauchte er allerdings so viel Kraftstoff, dass bereits rund 45 Kilometer nach dem Start den Ausflüglern zum ersten Mal der Sprit ausging. Da haben sie gerade Wiesloch erreicht. Benz schickte ihre Söhne zum Brunnen und Wasser zu holen und zur Stadtapotheke, um Treibstoff zu besorgen. Am besten Ligroin, der damals in erster Linie der Reinigung von Kleidung diente.

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