Apothekenhonorar

Knappschaft zahlt weniger – und unter Vorbehalt Nadine Tröbitscher, 20.03.2017 15:13 Uhr

Berlin - Wenn Medikamente in Deutschland außer Vertrieb gehen, sind Einzelimporte für Patienten mitunter überlebenswichtig. Für die Apotheken bedeutet der Exit von Präparaten mehr Aufwand – bei gleichzeitigem Risiko, bis ans Existenzlimit retaxiert zu werden. Die Krankenkassen haben erkannt, dass sich hier Geld holen lässt – wenn auch mit widersprüchlichen Begründungen. Die Knappschaft Bahn-See (KBS) kürzt nicht nur das Apothekenhonorar, sondern behält sich auch spätere Kürzungen vor.

Ein Apotheker aus Hessen ist verzweifelt. Er hat einen Patienten, der mit Tagrisso (Osimertinib) von AstraZeneca behandelt wird. Das Lungenkrebsmedikament wurde im Dezember vom deutschen Markt genommen. Patienten können weiterhin versorgt werden; ein Einzelimport durch eine Apotheke ist nach Paragraph 73 Absatz 3 Arzneimittelgesetz (AMG) zulässig. Doch bei der Preisbildung spielt die Kasse nicht mit.

Im Januar brauchte der Patient neue Tabletten, sein Vorrat war knapp, es blieb wenig Zeit. Die Apotheke beantragte die Kostenübernahme bei der Knappschaft; man bat um schnelle Bearbeitung und eine schriftliche Genehmigung über den vollen Preis. Eine schnelle Lieferung war nur über die Internationale Apotheke (Ilapo) in München möglich. Importiert wurde aus der Schweiz binnen sechs Werktagen zu einem Apothekeneinkaufspreis (AEK) von 12.789,00 Euro. Mit einem Aufschlag von 3 Prozent plus 8,35 Euro plus 16 Cent und der Mehrwertsteuer ergab sich ein Gesamtpreis von 15.685,60 Euro.

Die Kasse stimmte zu, bezog sich auf eine Einzelfallentscheidung und genehmigte den beantragten Preis. Auch im nächsten Monat wurde das Medikament benötigt. Die Apotheke stellte erneut einen Antrag auf Kostenübernahme, erneut mit der Bitte um eine verbindliche Zusage bezüglich des Erstattungspreises.

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