Apotheken-EDV

Der Lauer-Fischer-Deal Alexander Müller, 24.06.2011 10:11 Uhr


Dass der Kaufpreis hoch gegriffen ist, gab sogar CompuGroup-Finanzvorstand Christian Teig zu. Die Summe sei aber nötig gewesen, um den Deal abzuschließen, erklärte er gestern gegenüber Analysten. Und man habe sehr lange darauf hin gearbeitet, auch im Apothekenmarkt Fuß zu fassen. Eine Apothekensoftware sei für die Gruppe der letzte fehlende Link zur Marktabdeckung gewesen, so Teig. Insgesamt arbeiten 380.000 Ärzte, Zahnärzte und Kliniken mit der Software des Konzerns, der im vergangenen Jahr in Deutschland und im Ausland rund 312 Millionen Euro umsetzte.

Tatsächlich hatte CompuGroup schon vor Jahren mit dem Softwareanbieter Pharmatechnik verhandelt, aber Firmenchef Dr. Detlef Graessner wollte damals nicht verkaufen. Die Ironie dabei: Mit Hermann Schallenmüller ist heute ein ehemaliger Pharmatechnik-Mann bei der CompuGroup für den Vertrieb zuständig. Schallenmüller, der auch lange für die Münchener VSA tätig war, sagt aber, an dem Deal nur am Rande beteiligt gewesen zu sein. Fest steht, dass die neuen Besitzer mit ihm einen ausgewiesenen Fachmann im Bereich Apotheke haben.

Von der Vertikalisierung will die CompuGroup künftig profitieren: Der Konzern verspricht sich vor allem Synergieeffekte in der Softwareentwicklung. Komponenten aus der Praxissoftware seien ebenso wichtig und nützlich für Apotheken, sagte Teig. Konkrete Projekte sollen jetzt geprüft werden.

Mit rund 4000 Anwendern und einem Marktanteil von rund 20 Prozent sieht Teig Lauer-Fischer auf Augenhöhe mit den Konkurrenten Pharmatechnik und der Phoenix-Tochter ADG. Awinta liegt demnach mit rund 27 Prozent Marktanteil in Front. Unter neuer Führung will Lauer-Fischer jetzt aufs Gas treten. Allerdings werde man nicht bei den Marktführern, sondern vor allem bei kleineren Anbietern auf Kundenjagd gehen, kündigte Teig an. Ziel bei allen Beteiligungen sei immer ein zweistelliges Wachstum, der Apothekenmarkt biete derzeit sogar eine breitere Basis. Gerade im Bereich Homecare und Pflege sieht Teig großes Wachstumspotenzial für Apotheken in Deutschland.

Lauer-Fischer hatte im vergangenen Jahr einen Umsatz von knapp 50 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von 6,2 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz von ARZ Haan lag bei 87,4 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn bei 4,5 Millionen Euro. Nach Steuern stand ein Minus von 3,9 Millionen Euro; zusammen mit dem aufgelaufenen Verlustvortrag von 7,7 Millionen Euro führte dieser zu einer negativen Bilanzsumme von 11,6 Millionen Euro.

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APOTHEKE ADHOC Debatte

Ältere Kommentare lesen 16 Kommentare
  • 1.Juli 2011, 16:15Uhr
    Community Mitglied

    #16Mittel zum Zweck

    Ich freue mich schon auf Werbung in der Software, die ich ständig wegklicken muss und nicht deaktivieren kann, damit die CompuGROUP noch mehr Gewinn macht. Ich freue mich auf schlechteren Service, weil die CompuGroup Hotline Mitarbeiter entlässt. Ganz besonders freue ich mich darauf, Mittel zum Zweck zu sein, damit die CompuGROUP mit der Verknüpfung zwischen Apotheke und Arzt experimentiert, ohne auf die Wünsche und Bedürfnisse der Apotheker und Ärzte einzugehen. Wer's nicht glaubt, sollte sich in entsprechenden Foren über den Verlauf der Übernahme von Medistar und Turbomed duch die CompuGROUP informieren.

  • 30.Juni 2011, 19:50Uhr
    Community Mitglied

    #15Wo genau..

    greift ARZ Haan immer in die Sch...?

  • 27.Juni 2011, 09:54Uhr
    Community Mitglied

    #14Die nächste ARZ Haan-Pleite!!!

    Wie lange geht das noch weiter so? Da werden fundamentale Interessen von uns Apothekern aufgegeben - weil das ARZ Haan an anderer Stelle immer wieder in die Sche.... greift. Wo sind die Kontrolleure?

  • 25.Juni 2011, 11:03Uhr
    Community Mitglied

    #13Zu (9)

    Seit 2004 bin ich stahl>infopharm>VSA>profiline>Awinta-Anwender. Ich habe aber kein Problem zu sagen, daß LF auch sehr gute Produkte hat. Solch ein Deal wie nun mit dem ARZ und LF hat auf jeden Fall Risiken UND Chancen. Aber fast die gleiche Situation wurde eben von einigen LF Managern damals bei der VSA massiv und unfair schlecht geredet ("System wird nicht weiterentwickelt...alle werden gezwungen auf Prokas umzusteigen...System für Versandapotheken...") mit diesem Fax, noch bevor es Aadhoc gemeldet hatte. Also ich weiß nicht, Pharmatechnik z.B. baggert auch immer mal wieder bei mir, aber nie mit solch miesen Methoden. Es würde mich interessieren, wenn Awinta oder andere nun einen ähnlichen Kriegstanz vorführen würden. Sie können es dann gerne hier posten.

  • 25.Juni 2011, 10:23Uhr
    Community Mitglied

    #12Geldregen zu Gunsten der PTA-Schulen?

    Das mit der Konzentration auf die Kernkompetenzen beim ARZ kann man nicht glauben. Vielleicht sollte man sich am Niederrhein und in Westfalen-Lippe als Mit-Mehrheitseigentümer des ARZ mal überlegen, ob man nicht eine kräftige Summe des Erlöses auskehren lässt, um damit die PTA-Schulen auf ein zukunftsfähiges, solides Fundament zu stellen. Vermutlich aber wohl nicht. Stattdessen wird eine neue Umlage beschlossen. Da können auch alle LF-Anwender richtig zubuttern.

  • 25.Juni 2011, 10:19Uhr
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    #11Vita-X Projekt

    Was ist eigentlich aus dem Projekt von Vita-X (CompuGroup) zur digitalen Patientenakte und den DocMorris-Apotheken in Köln geworden?

  • 25.Juni 2011, 10:16Uhr
    Community Mitglied

    #10und sonst ...

    Die Frage ist, wird es besser oder schlechter. Defizite in der Hotlinebertreuung von Lauer-Fischer sollten schnellstens behoben werden. Dann die Frage nach dem Standort. Bleibt Fürth erhalten oder wird aufgelöst? Wie geht's mit der Softwareentwicklung weiter? Auch Winapo64 hat noch argen Verbesserungsbedraf, hier wurde den Oberflächendesigner zu viel Macht gegeben und weniger die Anwender gehört. Interessant sind die Zahlen zum Marktanteil. Lauer-Fischer selbst spricht von über 7tsd Kunden, nun sind es laut Presse ca. 4tsd Apotheken, beziehen die restlichen Kunden nur Toner bei LF? Die Veröffentlichung am Feiertag ist nicht OK, die LF-Kunden wurden nicht vom Unternehmen informiert. Nur über die Presse, das ist wirklich schlechter Stil. Mal schauen, wie es mit der LF-Familie weiter geht. Die familiäre Atmosphäre dürfte wohl bald Geschichte sein, dafür kann sich kein Aktionär was kaufen. Schade nur, dass GF von LF und ARZ immer viel Wert auf diese besondere Atmopshäre gelegt haben und nun diese dem großen Geldregen opfern.

  • 24.Juni 2011, 22:38Uhr
    Community Mitglied

    #9zu (8)

    Ich gebe Ihnen absolut Recht. Der Stil von LF und ARZ war nicht immer vorbildlich. Insbesondere wenn es darum ging die Mitbewerber schlecht zu reden. Ich bin auch nur ein Anwender, der sich hier für nichts rechtfertigen muss. Ich sehen den Übergang von LF aus Apothekerhand in die "freie Wirtschaft" dennoch durchweg positiv und wenn dann noch Synergien mit Praxissoftware genutzt werden können, ist das doch super. Das Spiel sämtlicher Softwarehäuser die Konkurrenz als unfähig darzustellen ist nichts neues. Vermutlich stehen nächste Woche bei LF Kunden die Faxe nicht still. Mal sehen, ob der Stil der anderen besser ist.

  • 24.Juni 2011, 16:08Uhr
    Community Mitglied

    #8Soso...

    Als vor ca. eineinhalb Jahren die VSA ihre Softwaresparte an Promedisoft hat fließen lassen, hat LF 5 Minuten nach Bekanntgabe jedem Anwender ein Fax gesendet, wie schlecht doch diese Maßnahme für die Individualapotheke sei. Nur wer zu LF wechsele, kann sicher sein, in "Apothekerhänden" zu bleiben. Das war schlechter Stil, und nun macht es das ARZ fast genauso. Auch in diesen Deal kann man Untergangsszenarien hineingeheimsen.

  • 24.Juni 2011, 12:23Uhr
    Community Mitglied

    #7zu (6) Wachsam sein ist immer gut!

    Alles was neu ist schlecht zu reden und das Ergebnis der Fusion zu kennen, bevor die Schlüssel übergeben sind, ist jedoch keine konstruktive Einstellung.

  • 24.Juni 2011, 12:18Uhr
    Community Mitglied

    #6@ (5)

    "Weltuntergangsgeheule" kann ich aus den Beiträgen NICHT herauslesen. Ich denke vielmehr, wir Pharmazeuten müssen generell viel stärker darüber nachdenken, welche Interessen unsere Marktpartner verfolgen - und unsere Meinungen aktiv einbringen. Das Softwarehaus ist für nahezu jede Apotheke ein immens wichtiger Marktpartner, den man freiwillig nicht so schnell wechselt. Widersprechen muss ich auch dem Argument "Leute wie Du und ich". Das ist zwar zutreffend, aber man möge sich mal vor Augen halten, was in der ersten Zeit nach der Fusion VSA-Apothekensysteme / ProMedisoft zur awinta los war ... viele, viele "Leute wie Du und ich" haben geechselt ... freiwillig oder auch nicht. Und da waren es "nur" zwei führende Softwarehäuser, die fusioniert haben, wenn auch mit kräftig unterschiedlicher Philosophie. Jetzt aber wurde ein führendes Apothekensoftware-Haus von einer Firma geschluckt, die nun historisch komplett "anders" aufgestellt ist. Natürlich kann das ausgezeichnete Synergie-Effekte mit sich bringen - aber eben auch massive Gefahren. Die Apothekerschaft sollte nicht aufgeregt, aber sehr, sehr wachsam sein.

  • 24.Juni 2011, 10:59Uhr
    Community Mitglied

    #5Leute, Leute!

    Haben sich Eure Kunden bei dem Kauf Eurer Apotheke auch so angestellt. "Der alte Inhaber ist weg, jetzt kann es nur noch bergab gehen". Bei Lauer Fischer arbeiten Leute wie "Du und ich" mit Frau und Kind daheim, die ihre Arbeit nach dem Übergang vermutlich genauso gut machen wie vorher. Was soll dieses Weltuntergangsgeheule. Eine Chance hat der neue Inhaber allemal verdient; sonst hättet Ihr alle ja auch keine Kunden mehr. Schönes Wochenende

  • 24.Juni 2011, 10:56Uhr
    Community Mitglied

    #4Kerngeschäft ?

    Wie kann ich als Rechenzentrum HEUTE, kurz vor RollOut der eGK, mein Software-Flaggschiff verkaufen ? Wo (bei aller Skepsis der eGK gegenüber) das Papierrezept irgendwann abgeschafft werden wird. Verstehe ich nicht. Und wäre ich Lauer-Fischer-Anwender, hätte ich grosse Befürchtungen, dass pharmazeutische Kernkompetenzen (IA-Check etc) nunmehr als Module in der Arztsoftware landen ...

  • 24.Juni 2011, 10:36Uhr
    Community Mitglied

    #3@2: Fokussierung auf das Kerngeschäft???

    sorry, freunde, das ist vera**** Wer mehr als die Hälfte des Umsatzes mit EDV macht, kann das wohl kaum als nebenschauplatz bezeichnen. abgesehen von der wertschätzung von 4000 kunden, die wesentlich an der entwicklung mitgearbeitet haben und auch noch marketing für lf gemacht haben!

  • 24.Juni 2011, 10:34Uhr
    Community Mitglied

    #2Toll!

    Toll, dass ich als LF Kunde hier schneller informiert werde, als von den Unternehmen.... Allein vom Rechenzentrum lag ein nichtssagender Brief im Kasten: Konzentration aufs Kerngeschäft Blabla Mal sehen was sich die CompuGroup einfallen lässt um seine Kunden zu begeistern.

  • 24.Juni 2011, 10:33Uhr
    Community Mitglied

    #1Kernkompetenz

    Wenn Lauer-Fischer jetzt auf das Aktualitätsniveau von Arztsoftware herabrutscht (sorry, aber so ist es), dann dürfte das Unternehmen sehr schnell Kunden verlieren. Wir werden sehen. Ich kann mir das nicht leisten, abgehängt zu werden.

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