Antirheumatika

Darmperforationen unter Tocilizumab APOTHEKE ADHOC, 21.07.2016 12:44 Uhr

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Wie IL-6 Entzündungsreaktionen reguliert

Berlin - Unter der Therapie mit RoActemra (Tocilizumab) kann es zu Perforationen des unteren Gastrointestinaltraktes (GIT) kommen. Das geht aus einer Beobachtungsstudie von Patienten mit rheumatoider Arthritis hervor, die im Fachjournal „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlicht wurde. Demnach traten die Perforationen häufiger bei Patienten auf, die mit dem Interleukin-6-Hemmer behandelt wurden, als unter Therapie mit anderen Biologika oder synthetischen Wirkstoffen, so genannten Basistherapeutika.

Die Auswertung erfolgte im deutschen Biologika-Register RABBIT, das die Langzeitwirkung und -sicherheit von Biologika bei rheumatoider Arthritis untersucht. „Perforationen des unteren Gastrointestinaltraktes sind sehr seltene Ereignisse“, erklärt die Studienärtzin Dr. Anja Strangfeld aus Berlin. „Insgesamt traten in dem Register nur 37 Darmperforationen bei 13.310 eingeschlossenen Patienten auf.“

Gerechnet auf die Beobachtungszeit kam es unter Tocilizumab zu 2,7, unter allen anderen Therapien zu 0,2 bis 0,6 Perforationen pro 1000 Patientenjahren. In der europäischen Allgemeinbevölkerung geht man dagegen von 0,04 Patienten aus, die in 1000 Jahren eine Perforation erleiden.

„Dies ist ein Sicherheitssignal, das ernst genommen werden muss“, betont Strangfeld. Denn Perforationen von Jejunum, Ileum oder Kolon sind Notfälle, die Letalität liegt in der Allgemeinbevölkerung bei 30 Prozent. Perforiert die Darmwand, gelangt der Darminhalt in die Bauchhöhle und lokale Entzündungen können in eine Entzündung des Bauchfells oder sogar in eine Sepsis übergehen. Patienten zeigen akute Symptome mit Fieber, heftigen abdominellen Schmerzen und einen sich schnell verschlechternden Allgemeinzustand.

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