Apothekenschließung

Adieu, altes Einhorn! Silvia Meixner, 11.06.2017 08:00 Uhr

Berlin - Haben Sie 350.000 Euro übrig? Wir hätten da was. Ein Immobilien-Schmuckstück. Baujahr 1676, 300 Quadratmeter Grundfläche, denkmalgeschützt, Inneneinrichtung mit neugotischen Holzschnitzereien aus Rosenholz. Eine Apotheke ist auch gleich mit dabei. Hier erzählt Apotheker und Neu-Rentner Merten Thurmann seine Geschichte. Mit der Schließung der Einhorn-Apotheke endet nach 304 Jahren ein Stück Historie in Lippstadt.

„Ich bin im Rentenalter und habe einfach keine Lust mehr auf den Kampf mit den Krankenkassen und auf eine Politik, die uns im Stich lässt“, sagt der 65-Jährige. Die Politik hat das auch schriftlich. Sie schweigt. Anlässlich der Schließung seines Unternehmens setzte Thurmann eine schlichte Traueranzeige in die Lippstädter Lokalzeitung „Der Patriot“.

Dort hieß es: „Hiermit teile ich mit, dass die Einhorn-Apotheke nach über 304 Jahren geschlossen ist! Dank sagen möchte ich allen Kunden, insbesondere den langjährigen Stammkunden. Der Entschluss, die Apotheke aufzugeben, ist mir sehr schwer gefallen, aber die Situationen mit den Krankenkassen, der Politik und den Standesorganisationen haben mich in meiner Entscheidung bestärkt. Immer wieder neue Verträge, Verordnungen und Gesetze verhindern, dass man sich um das Wichtigste, und zwar den Patienten, kümmern kann.“ Eine Reaktion von Politik, Krankenkassen oder Standesvertretung erwartet er nicht: „Da wird nichts kommen. Die werden das ignorieren.“ Dabei wünscht er sich nur eines: „Dass die Menschen nachdenken.“

Einen Nachfolger hat der Apotheker erst gar nicht gesucht. Er hielt es für aussichtslos. „Es lohnt sich an diesem Standort nicht mehr, eine Apotheke zu betreiben. In den vergangenen zehn, 15 Jahren sind viele Ärzte in der näheren Umgebung weggezogen, sie haben Gemeinschaftspraxen eröffnet oder sind in Krankenhäuser gegangen. Das kann eine Apotheke auf Dauer nicht auffangen. Unser Umsatzrückgang lag am Ende bei 30 Prozent.“ Lippstadt hat rund 67.200 Einwohner und 23 Apotheken, es ist kein Versorgungsmangel zu befürchten. Und trotzdem ist die Schließung der Einhorn-Apotheke eine traurige Nachricht.

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