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AOK-Rabattverträge

Von Null auf Hundert

APOTHEKE ADHOC, 14. April 2009, 14:10 Uhr

  • Deutliche Verschiebung: Laut IMS führen die AOK-Rabattverträge zu einer neuen Marktsituation bei Generika.
Berlin -

Die in der vergangenen Woche bekannt gemachten Zuschläge für die neuen AOK-Rabattverträge gehören zwar nicht zu den umsatzstärksten der ausgeschriebenen Wirkstoffe, werden aber nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens IMS Health zu einer deutlichen Verschiebung von Marktanteilen führen. Für Unternehmen, deren Präparate bislang kaum zu Lasten der AOK verordnet wurden, bedeuten die Rabattverträge laut IMS eine Chance, aus dem Stand „von Null auf Hundert" zu kommen.

Beispiel Melperon. Das Neuroleptikum ist die bislang umsatz- und absatzstärkste Substanz, für die die AOK Zuschläge erteilt hat. Jährlich werden laut IMS rund 950.000 Packungen im Wert von rund 9,4 Millionen Euro abgegeben. Bislang entfiel auf die beiden Unternehmen, die jetzt den Zuschlag erhalten haben, bei der AOK ein Marktanteil von 8 Prozent.

Durch den neuen Vertrag, der ab Juni in Kraft tritt, können beide Firmen ihren Anteil deutlich ausbauen: Für Lindopharm ergibt sich mit den Losgebieten 2 und 3 laut IMS ein Potenzial von 1,9 Millionen Euro. Für Neuraxpharm, bereits heute bei der AOK mit Melperon gut vertreten, rechnen die Marktforscher mit einem Mehrumsatz von 3,6 Millionen Euro. Das entspricht einer fünffachen Umsatzsteigerung für das Unternehmen aus Langenfeld.

Zugrunde liegen allerdings die Listenpreise. Sollten also die neuen AOK-Rabattverträge zu weitaus größeren Preisnachlässen geführt haben als in der Vergangenheit, stellt sich laut IMS die Frage, ob eine Beteiligung an den Ausschreibungen im Einzelfall Sinn macht. Schließlich verteilten sich die Umsätze bei Melperon bislang unter einem Dutzend Unternehmen. Die Einschnitte fallen damit laut IMS zumindest bei diesem Wirkstoff eher gering aus.

Für Hersteller mit Zuschlägen besteht immerhin die Möglichkeit, eine breite Präsenz zu schaffen: Bei fünf der acht Substanzen erhielt jeweils ein Anbieter den alleinigen Zuschlag über alle fünf Gebiete; bei den übrigen drei Substanzen teilen sich mehrere Hersteller die Zuschläge.

Alfuzosin, Amisulprid, Metoprolol/Hydrochlorothiazid, Terazosin, Levodopa/Benserazid, Levodopa/Carbidopa, Melperon sowie Trimipramin stehen laut IMS für 4 Prozent vom Absatz der insgesamt 63 ausgeschrieben Wirkstoffe und 5 Prozent vom Umsatz. Das gesamte Paket beläuft sich auf 98 Millionen Packungen und einen Umsatz von mehr als 900 Millionen Euro, wenn man die Listenpreise nach Abgaben der Hersteller zugrunde legt. Für „große“ Wirkstoffe wie Enalapril oder Lisinopril stehen die Zuschläge noch aus.

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