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Arzneimittelversorgung

Vom Pharmalobbyisten zum Schiffsausstatter

Janina Rauers, 03. September 2010, 12:08 Uhr

  • Kontakte zu Herstellern: Das weltgrößte Kreuzfahrtschiff "Oasis of the Seas" setzt beim Einkauf auf Floki.
Berlin -

Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen werden nicht nur seekrank. Hilft die Reiseapotheke aus dem Koffer nicht mehr, kümmern sich Schiffsarzt und Schiffsapotheker um die Medikation. Mehrere hundert verschiedene Medikamente haben die Ozeanriesen vorrätig. Bei der Auswahl und der Bestellung der Arzneimittel hilft ein kleines Familienunternehmen aus dem hessischen Eppstein.

Vor sechs Jahren gründete die Familie um Erich Dambacher, jahrelang Cheflobbyist bei Hoechst/Sanofi-Aventis, die Firma Floki. Benannt wurde das Unternehmen nach den beiden Söhnen: Florian Dambacher leitet das Unternehmen, Kilian Dambacher hatte die Geschäftsidee aus Südamerika mitgebracht. Vater Erich steuerte sein Fachwissen und sein Netzwerk bei.

Floki vermittelt ausländischen Kreuzfahrtschiffen Kontakte zu Herstellern von Arzneimitteln, aber auch zu Konsumgüterproduzenten. Der Bedarf ist groß: Täglich werden auf den rund 160 von Floki versorgten Schiffen beispielsweise 80.000 Schokoladenriegel gegessen. Insgesamt stehen auf den Wunschlisten der großen Schiffe rund 8000 verschiedene Produkte, darunter etwa Wein, Sonnencreme und Zahnpasta.

Haben die rund 10 Floki-Mitarbeiter den Kontakt hergestellt, bestellen die Schiffe über einen Reedereiverbund direkt bei den Herstellern. Denn für Kreuzfahrtschiffe unter ausländischer Flagge gilt das alleinige Dispensierrecht von Apotheken nicht. „Es ist kein deutscher Markt. Wir arbeiten aber angelehnt an das deutsche Recht“, erklärt Florian Dambacher. Die Abgabe der Medikamente an Bord erfolge über den Schiffsarzt oder - bei großen Kreuzfahrtschiffen - über den Schiffsapotheker.

Die Kontakte aus dem Kreuzfahrtgeschäft nutzt Floki übrigens für ein zweites Geschäftsfeld: Das Unternehmen vermittelt Medikamente auch an Hilfsorganisationen. Wissen über Verpackung, Logistik und Zollbestimmungen werden so doppelt genutzt. Und weitergegeben: Erich Dambacher tritt auch nach seinem Ausscheiden bei Sanofi im Jahr 2007 regelmäßig als Referent bei Kongressen und Tagungen auf. Außerdem berät der heute 60-jährige Experte zu Festbeträgen, Erstattungen, Arzt- und Apothekersoftware sowie zu Rabattverträgen.

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