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Verkauf, Zerschlagung oder Börsengang

Patrick Hollstein, 17. Juni 2010, 11:54 Uhr

  • Lösung für Phoenix: Europas führender Pharmahändler bleibt voraussichtlich Teil des Merckle-Imperiums.
Berlin -

Bei Europas führendem Pharmahändler Phoenix steht offenbar die Refinanzierung kurz vor dem Abschluss. Nachdem verschiedene Optionen bis hin zum Börsengang geprüft wurden, wird es offenbar keinen Besitzerwechsel geben. Statt des ursprünglich favorisierten Verkaufs ist eine Umschuldung geplant: Die Merckle-Familie wird Medienberichten zufolge Geld nachschießen, außerdem wird möglicherweise eine Anleihe ausgegeben. Auf dem Konzern lasten derzeit Schulden von 3,5 Milliarden Euro.

Einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wird Merckle 500 Millionen Euro bei Phoenix zusätzlich investieren; außerdem werden die Schulden der Ratiopharm-Holding VEM beglichen. Ende 2008 hatte der mittlerweile verstorbene Firmenchef Adolf Merckle 415 Millionen Euro bei Phoenix zugunsten der VEM abgezweigt. Wegen deren Überschuldung drohte Phoenix ein Totalausfall, der Konzern wurde in das Stillhalteabkommen mit den 61 Merckle-Gläubigerbanken einbezogen.

Der Verkauf von Ratiopharm sei eine „gute Basis für die Refinanzierung“, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Die Banken hätten zugestimmt, schon im Juli 2,6 Milliarden Euro an neuen Krediten auszugeben, so Bloomberg. Möglicherweise muss der Konzern sich demnach von kleineren Beteiligungen in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro trennen. Auch ein Börsengang mit 25 Prozent der Anteile wird laut Bloomberg nicht ausgeschlossen. Wegen der komplizierten Eigentümerstruktur - ein Dutzend Holding-Gesellschaften hält Anteile an Phoenix - könnte ein solcher Schritt aber noch erhebliche Umstrukturierungen erfordern.

Theoretisch hätte Merckle noch bis Ende Januar 2011 Zeit, um eine Lösung für Phoenix zu finden. Dann läuft das Standstill-Abkommen aus, das auf 90 Seiten unter anderem Details zum Sanierungskredit in Höhe von 320 Millionen Euro oder zur Stundung der bestehenden Schulden zu einem vereinbarten Zinssatz regelt. Ziel des ebenfalls im Mai 2009 geschlossenen 34-seitigen Treuhändervertrags war neben der Restrukturierung und finanziellen Sanierung die Abspaltung einzelner Unternehmensteile zur geordneten Rückführung der Bankverbindlichkeiten.

Im April 2009 war ein Gutachten der Wirtschaftsberatung KPMG zu dem Ergebnis gekommen, dass Phoenix aufgrund seiner starken Marktposition in Europa, seiner nachhaltigen Unternehmensentwicklung und seines positiven operativen Ergebnisses sanierungsfähig sei. Im Geschäftsjahr 2008/2009 hatte Phoenix einen Umsatz von 21,5 Milliarden Euro und einen Überschuss von 120 Millionen Euro erwirtschaftet. In Deutschland lagen der Umsatz bei 6,3 Milliarden Euro und der Überschuss bei 500.000 Euro.

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